Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Der Gießener Anzeiger schreibt...

Unbändige Spielfreude

24.03.2015 - GIESSEN

Großartiger Abend mit „Frankfurt Strings“ im Rathaus / Virtuos und emotional

 

GIESSEN - (hsc). Eine großartige Vorstellung gaben in der Reihe der Meisterkonzerte die „Frankfurt Strings“ im Konzertsaal im Rathaus. Das Streichquintett haute das Publikum mit seiner virtuosen und gleichermaßen emotional packenden Wiedergabe von Werken von Gebel, Hindemith und Dvorak einfach um.Frankfurt Strings

Stefano Succi (Violine), Maximilian Junghanns (Violine), Wolfgang Tluck (Viola), Ulrich Horn (Violoncello) und Simon Backhaus (Kontrabass) brachten eine geradezu unbändige Spielfreude mit. Bereits mit Paul Hindemiths (1895 bis 1963) acht Stücken für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass op. 44,3 wehte ein kräftiger Wind durch den Saal. Insgesamt mit Schmackes und Gefühl musiziert, modellierten die Gäste die Sätze jeweils individuell mühelos erkennbar, pflegten einen heiteren Umgang mit den Hörkonventionen, spielten dabei aber voll und dramatisch – gleichsam beseelt.

Und das wurde nur noch besser. Bei Franz Xaver Gebels (1748 bis 1843) Streichquartett F-Dur Nr. 5 op. 24 zeigten die Gäste besonderen Schmelz und Stimmung beim Cello und einen typischen Aspekt der Strings, die perfekte Binnendramaturgie mit jeweils hoch dramatischer, mitreißender Ausführung. Fast ungeduldig musizierte das Ensemble, ungestüm. Zwischendurch gab es immer wieder Ahnungen der vollen möglichen Dynamik – genussvoll umgesetzt. In der wunderbar belebten Wiedergabe erwiesen sich der erste und der dritte Satz als besondere Glanzlichter im allgemeinen Wohlklang. Dabei erwies sich die Komposition des fast vergessenen Komponisten als hoch abwechslungsreich, sehr lebhaft und inhaltlich völlig unverbraucht und frisch: eine glänzende Wahl. Das Publikum, durchgehend entzückt, klatschte die Künstler schon zur Pause erneut auf die Bühne.

Den Abschluss bildete Antonin Dvoraks (1841 bis 1904) Streichquintett G-Dur op. 77. Im ersten Satz realisierten die Frankfurter ein sanftes Aufstrahlen und modellierten im Übrigen das Tempo nachdrücklich. Mit perlendem Elan musizierten sie das abwechslungsreiche Werk, ließen die emotionalen Ebenen schön klar werden, wobei sie ihre bis dato praktizierte Durchsichtigkeit zu neuen Höhen führten und ihr Publikum mit einem bezaubernd hingehauchten Abschluss gleichsam umarmten. Donnernder Applaus und ein wunderschön leicht und schwungvoll musizierter Hindemith als Zugabe: ein großartiger Abend.


Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Gießener Allgemeine, 21.3.2015

Grandioses Finale

Frankfurt Strings im letzten Winterkonzert

 

Wie schon oft gebührt dem Meisterkonzertverein Lob für die sorgfältige Programmzusammenstellung. Das letzte Winterkonzert im Rathaus mit den Frankfurt Strings bildete den würdigen Abschluss einer musikalisch abwechslungsreichen, durchweg herausragenden Reihe, bei der die Unterschiede im künstlerischen Niveau in Nuancen lagen.

Frischen Wind in den Hermann-Levi-Saal brachten Stefano Succi, Maximilian Junghanns (Violinen), Wolfgang Tluck (Viola), Ulrich Horn (Cello) und Simon Backhaus (Kontrabass) – alle Mitglieder des HR-Sinfonieorchesters – bei den „Acht Stücken“ op. 44 Nr. 3 von Paul Hindemith. Obwohl bereits 1927 entstanden, wirkten die Miniaturen kaum angestaubt. Die stilistische Fortschrittlichkeit zeigte sich etwa an der unkonventionellen Harmonik und dem Verzicht auf jeden senFrankfurt Stringstimentalen Ballast. Zuweilen schien Hindemith mit augenzwinkerndem Humor traditionelle Tanzsatzformen aufzugreifen und in modernes Gewand zu kleiden. Dabei blieb bei der ganz bescheiden „Schulwerk für Instrumental-Zusammenspiel“ benannten Komposition stets der Zyklusgedanke heraushörbar, begünstigt durch die einheitlich zügigen bis schnellen Tempi und den Verzicht auf starke musikalische Kontraste.

Bei dem Streichquintett F-Dur Nr. 5 op. 24 ließ schon der mit reichlich musikantischem Schwung dargebotene Allegro-Kopfsatz angesichts der thematischen Erfindungskraft und der raffinierten Instrumentation erahnen, dass der Urheber Franz Xaver Gebel (1787 bis 1843) zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Nach seiner Anstellung in Wien als Kapellmeister und Opernkomponist war er ab 1817 in Moskau tätig, blieb dort bis zum Ende seines Lebens. Sein Quintett mutete überaus originell an und so unverbraucht wie die Hindemith-Stücke. Dies bestätigte sich beim lebhaften Scherzo und dem mit lyrischem Feingefühl vorgetragenen Andante. Das melodisch konturiert, zudem dynamisch wohldosiert gemeisterte Allegro-Finale rundete das starke Bild ab. Bemerkenswert: Dem locker und elegant daherkommenden Spiel war die dahintersteckende Anstrengung kaum anzumerken.

Nach der Pause, in Antonin Dvoráks Quintett G-Dur op. 77 faszinierte, wie rasch sich die Stimmung von der tiefernsten Einleitung zum munteren Hauptteil des eröffnenden „Allegro con fuoco“ aufhellte. Die Musizierfreude des Ensembles steckte regelrecht an. Dabei wirkte die Interpretation nie aufdringlich laut, vielmehr in der Tonstärke wieder genau austariert.

Das Scherzo begeisterte durch derb-folkloristische Elemente. Großes Vergnügen bereitete auch das harmonische Andante, ehe das Konzert mit dem dramatischen Allegro-Finale zu Ende ging. Herzlichem Beifall folgte eine Zugabe.   Sascha Jouini