Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Der Gießener Anzeiger schreibt...

Meisterhaftes Spiel in ungewohnter Besetzung

24.05.2011 - GIESSEN

Harfenistin Maria Stange und Posaunist Oliver Siefert begeistern Zuhörer des Basilikakonzerts

(rfi). In der Reihe der Basilikakonzerte fand unter dem Motto „Vom Barock bis zur Moderne“ ein Konzert des Duos Oliver Siefert (Posaune) und Maria Stange (Harfe) statt. Siefert ist 1. Soloposaunist im HR-Sinfonieorchester; Maria Stange spielte mit zahlreichen renommierten Orchestern im In- und Ausland. Die Darbietungen in ungewohnter Besetzung ließen keine Wünsche offen und begeisterten das Publikum im Konzertsaal des Rathauses. Harfe Posaune

Das Konzert begann mit der Canzone „La Hieronyma“ des Barockkomponisten Giovanni Martino Cesare. Das Werk wies die gattungstypische Gliederung in kleine Abschnitte auf und zeigte sich melodisch ebenfalls von typischer Gestalt. Der Posaunist spielte klangschön und mit gutem Ansatz, die Harfenistin begleitete souverän.

Es folgten die „Short Cuts“ der Schweizer Komponistin Michèle Rusconi. Dieses Stück setzt sich mosaikartig aus vielen kleinen Abschnitten zusammen. Dabei vermeidet die Komponistin bis fast zum Schluss das Satzmodell Melodie und Begleitung. Posaunenstöße stehen Melodiefragmenten in der Harfe gegenüber. Die beiden Interpreten schufen ein ungewöhnliches Hörerlebnis. In den „Danseuses à la Fontaine d’Ain Draham“ für Harfe solo von Marcel Tournier, einem virtuosen Charakterstück mit arabisch-folkloristischem Einschlag, ließ Maria Stange die feingesponnene Poesie aufleuchten. Vor der Pause ertönte noch Jean Daetwylers Duo „Orpheus und Eurydike“. Die eklektische Komposition, in der sich Jazzanklänge mit allerlei Folkloristischem verbinden, hinterließ einen guten Effekt, weil sie den Farbenreichtum beider Instrumente betont. Dabei gab sich der Posaunist leidenschaftlich erregt.

Nach der Pause erklangen zwei „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, wobei der Posaunist das erste in instrumentalem Glanz erstrahlen ließ. Souverän meisterte Siefert auch die „Improvisation Nr.1“ für Posaune Solo von Enrique Crespo, die etüdenhaft Standards des Posaunenspiels wie Läufe und Passagen zu einem spielerischen Ganzen kombiniert.

Gabriel Faurés „Apres un Rève“ entfaltet eine unendliche Melodie über einem Klangteppich. Hier spielte der Posaunist eine Spur zu laut. Abschließend musizierten die Künstler John Glenesk Mortimers „Hebridean Sketches“ . Die vier Skizzen erwiesen sich in der Interpretation des Duos als wahre musikalische Gedichte. Das nicht sehr zahlreiche Publikum erklatschte sich als Zugabe ein Stück von Debussy.


Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Ungewöhnliches Duo beim Basilikakonzert im Rathaus

Die zarte Harfe und die mächtige Posaune: Maria Stange und Oliver Siefert glänzen als Duo auf ungewöhnlichen Pfaden beim Basilikakonzert im Rathaus.

Artikel vom 23.05.2011 - 18.45 Uhr

Die zarte Harfe und die mächtige Posaune: Auf den ersten Blick ein Fragezeichen - wie passt das zusammen? Überraschend und reizvoll gestaltete sich das Ergebnis im zweiten Basilikakonzert des Vereins Gießener Meisterkonzerte, zu dem am Sonntag ein zwar kleines, aber umso aufgeschlosseneres Publikum ins Rathaus gekommen war.Harfe Posaune
Beide Solisten, vielfach ausgezeichnet, in Orchesterpraxis ebenso wie in Kammermusik erfahren, lehren in ihrem Fach an den Hochschulen in Frankfurt (Siefert), Stuttgart und Karlsruhe (Stange) und treten seit 14 Jahren als Duo auf. Bis in kleinste Nuancen aufeinander eingespielt, boten sie Musik von Frühbarock bis Gegenwart, darunter zum Teil für sie eigens komponierte Werke. Ihre Erläuterungen zu den Stücken erleichterten den Zugang zu manchen Eigenheiten wie etwa in »Short cuts« von Michele Rusconi (geb. 1960), den Paul Klees Malerei inspiriert hat. Muh, blaff, bloh, fff, wau - die Posaune, bestückt mit diversen Stopfen, gab hier neben Tönen auch Naturlaute von sich, und die Harfe sandte nicht nur silbrige Töne über Saiten und Korpus - ein interessantes, assoziationsreiches Stück.
Wie groß die Palette der Künstler ist, hatten sie eingangs mit einem Werk der Spätrenaissance belegt, Giovanni Martino Cesares »Hieronyma«, einer Canzone, komponiert für ein Mitglied der Augsburger Kaufleute-
dynastie Fugger. Hier meinte man statt Posaune und Harfe die Klänge von Zink und Laute herauszuhören.
Einfühlsam und stilistisch souverän gestalteten Stange und Siefert auch die Werke des 19. und 20. Jahrhunderts: Felix Mendelssohn Bartholdys zwei Lieder ohne Worte für Klavier und Cello, bearbeitet für Altposaune und Harfe von Paul Angerer, oder Gabriel Faurés »Nach einem Traum«, wo allerdings die Harfe als reines Begleitinstrument ein wenig unterfordert wirkte. Sehr ansprechend Marcel Tourniers »Tänzerinnen am Brunnen von Ain-Draham«, ein Stück für Solo-Harfe aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit reizvoller orientalisierender Note. Weniger nachvollziehbar der Zusammenhang von Titel und Musik in Jean Daetwylers (1907-94) Grave und Scherzando »Orpheus und Eurydike«, ein Meddley aus unterhaltenden Klängen bis hin zu Schlager und Jazz. Imponierende solistische Qualitäten zeigte Siefert in einer Improvisation von Enrico Crespo (geb. 1941). Der Schotte John Glenesk Mortimer (geb. 1951) stand mit »Hebridean Sketches« am Schluss des Programms mit rhythmisch-tänzerischer, teils etwas archaisch wirkender Tonsprache, elegisch gefärbt und humorig dargeboten. Mit einer Zugabe von Claude Debussy setzten die Künstler einen schönen impressionistischen Akzent. Herzlicher Beifall für das interessante, informative Hörerlebnis, präsentiert von einem außergewöhnlichen Duo. Olga Lappo-Danilewski