Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Der Gießener Anzeiger schreibt...

Bravo-Rufe für „Trio Bamberg“

14.03.2011 - GIESSEN

Begeisterung bei sechstem Winterkonzert - Werke von Onslow und Beethoven dargeboten

Trio Bamberg(sue). Kennen Sie den Komponisten George Onslow? Wenn nicht, dann geht  es Ihnen ebenso wie vielen Zuhörern, die sich beim sechsten und damit letzten Winterkonzert des Vereins Gießener Meisterkonzerte bei dem aufführenden „Trio Bamberg“ mit Bravo-Rufen bedankten. Begeistert beklatscht wurde neben dem Klaviertrio Nr. 7 des schon zu Lebzeiten als „französischer Beethoven“ bekannten Onslow auch „La Muse et le Poète“ von Saint-Saens und Beethovens „Erzherzog-Trio“.

Gleich der erste Satz des in Frankreich als Kind einer englischen Adelsfamilie geboren Komponisten stellte hohe Anforderungen an die Fähigkeiten der Interpreten: Ganz nach Anweisung eröffneten Robert Benz (Klavier), Jewgeni Schuk (Violine) und Alexander Hülshoff (Violoncello) das „Allegro energico“ besonders schwungvoll und verschafften damit dem Publikum im gut gefüllten Konzertsaal des Rathauses einen ersten Eindruck von ihren außerordentlichen solistischen Fähigkeiten.

Mit viel Ausdruckskraft und einem technisch perfekten Spiel hob Benz die charakteristische Abwärtsfigur im Piano heraus, während die Streicher virtuos die klangvollen Melodien, die an den frühen und mittleren Beethoven erinnerten, zum Klingen brachten. Es zeigte sich schnell, dass gerade die Triobesetzung, in der es sehr viel eher als im Quartett Spieler mit solistischen Qualitäten braucht, den Musikern wie auf den Leib geschneidert ist. Neben der individuellen Leistung jedes einzelnen Musikers gelang jedoch auch die dynamische Feinabstimmung jedes Klangmoments ausgesprochen gut: Das von Onslow preferierte klassische Ideal, die Koinzidenz von tiefgründiger Substanz und adäquatem instrumentalem Ausdruck, brachten die Interpreten mit Klarheit zum Ausdruck.

Ebenfalls ausgesprochen energisch erschien zunächst das mit „cantabile“ überschriebene Andante. Durch einen belebten Mittelteil kontrastiert wurde jedoch dieser Eindruck immer mehr revidiert. Nach einem Menuett im Presto, bei dem das Piano mit schnellen Läufen glänzte, übernahm Benz im Finalsatz vor allem die Begleitfunktion und untermalte die virtuosen Entfaltungen der Streicher.

Einen völlig anderen Gestus verlieh das Trio dem Werk von Camille Saint-Saens: Mit einer zunächst träumerisch-leichten Ausgestaltung der Melodielinien entwickelte sich das „La Muse et la Poète“ zu einem leidenschaftlichen Dialog zwischen Violine und Cello. In der Rolle der Muse erklang das hohe Streichinstrument schwelgerisch und hingebungsvoll, das tiefe erinnerte mit seinem fragenden Klang an den nachdenklichen Poeten. Die immer stärker entflammende Leidenschaft des Dialogs führte zu einem immer dramatischeren Ausdruck, der bereits zur Pause zu einem ersten Finale führte.

Zwar wird das bekannte „Erzherzog-Trio“ vom Klavier eröffnet, schnell entwickelt sich der erste Satz jedoch zu einem rasanten Wechselspiel zwischen gleichberechtigten Spielpartnern. Nun wieder mit klassisch-diffenziertem Klang und einer ansprechenden Interpretation der sich ständig weiter entwickelnden musikalischen Themen spielte das „Trio Bamberg“ Beethovens letzte vollendete Triokomposition. Von der Nachwelt als kompositorische Summe aller Erfahrungen begriffen, die Beethoven im Genre Klaviertrio sammeln konnte, zeigt das Werk eine besondere Vorliebe für innovative Pizzicati, die von den Musikern besonders geschickt ausgestaltet wurden.

Auch die Zugabe, der dritte Satz aus Schumanns Klaviertrio Nr. 3, beeindruckte mit Tiefgang und führte nach dramatischen Höhepunkten zu einem sanften Konzertende.


Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Rhythmisch akkurat wie aus einem Guss

Das Trio Bamberg spielte beim letzten Winterkonzert dieser Saison im Konzertsaal des Rathauses

Trio BambergMit geballter Kraft und klanglicher Brillanz vom ersten Takt an spielte das Trio Bamberg am Samstag beim letzten Winterkonzert im Rathaus den Kopfsatz des Klaviertrios d-Moll Nr. 7 op. 20 von George Onslow. Robert Benz (Klavier), Jewgeni Schuk (Violine) und Alexander Hülshoff (Cello) nahmen dabei die Vortragsanweisung »Allegro energico« recht ernst. Das Ensemble verband in seiner Interpretation auf faszinierende Weise Vitalität mit Leidenschaftlich- keit. Rhythmisch akkurat, wie aus einem Guss geriet das Zusammenspiel, zudem wirkten die motivisch-thematischen Dialoge zwischen den Instrumenten recht konzentriert. Wie am Schnürchen gezogen meisterte der Pianist die Arpeggien und Läufe, ebenso makellos musizierten die Streicher.

Das Andante wurde mit einer ausdrucksvoll intonierten Cellomelodie über einer schlichten Klavierbegleitung eröffnet, dann griff die Violine das Thema auf. Die folgenden Variationen gestaltete das Ensemble – vor allem Benz – häufig dynamisch etwas grob, nicht gerade feinfühlig. Am ehesten gefiel noch die ruhig dahinströmendeVariation, deren intime Züge allerdings bei etwas mehr Zurückhaltung in der Tonstärke noch intensiver zutage getreten wären. Transparent beleuchtete das Ensemble die kontrapunktisch dichte Struktur im Finale und setzte hier einen überzeugenden Schlusspunkt.

In Camille Saint-Saëns’ Komposition »La muse et le poète« op. 132 kostete der Cellist genüsslich das sonore klangliche Fundament seines Instruments aus; mit ebenso fülliger, farbreicher und expressiver Tongebung spielte der Violinist. Zum Ohrenschmaus wurde die opulente Steigerung am Ende.

Nach der Pause blieb das Ensemble in Ludwig van Beethovens »Erzherzog-Trio« B-Dur op. 97 seiner kraftvollen, dynamische Kontraste betonenden Linie treu, ließ indes im Kopfsatz die lyrischen Momente keineswegs zu kurz kommen, erzeugte hier gebannte Stimmung. Kecke Züge gewannen die Musiker dem munteren Scherzo ab, machten darin von entschiedenen, Spannung erzeugenden Akzenten Gebrauch. Die Interpretation vermittelte ausgiebig geistige Spontaneität. Leider nicht so gut gelungen das Andante: Zu wuchtig hingeschleuderte Klavierakkorde trübten den Eindruck, auch konnte man sich die Komposition wesentlich kantabler dargeboten vorstellen. Beim impulsiven Allegro-Finale spielte das Ensemble noch einmal seine Trümpfe aus, vermochte mit seiner energiegeladenen Interpretation zu beeindrucken. Für den lang anhaltenden Beifall dankte es mit dem langsamen Satz aus Robert Schumanns drittem Klaviertrio als Zugabe.
 jou