Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Der Gießener Anzeiger schreibt...

Gitarristen Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff bieten beim 5. Winterkonzert vielseitiges Programm

20.01.2011 - GIESSEN

Von Susanne Engelbach

GIESSEN. Ein wahrhaft vielseitiges und zugleich ungewöhnliches Programm unter dem Titel „Kontraste“ präsentierte das „Amadeus Guitar Duo“ beim 5. Winterkonzert des Vereins Gießener Meisterkonzerte. Mit viel interpretatorischem Geschick stellen die Gitarristen Dale Kavanagh und Amadeus Guitar DuoThomas Kirchhoff barocke Lautenmusik von Telemann und Thomas Ford den atonalen Klängen von André Jolivet und modernen südamerikanischen Tönen von Jaime M. Zenamon gegenüber. Ein besonderer Höhepunkt waren drei unter dem Titel „Tales of Greiffenberg“ zusammengefasste Stücke, mit der Kavanagh als Komponistin und Interpretin die Schönheit der brandenburgischen Kleinstadt zum Klingen brachte.

Aus dem gut gefüllten Zuschauerraum erklang begeisterter und anhaltender Applaus, der die hervorragende Leistung des „Amadeus Guitar Duos“ völlig zurecht honorierte. Kirchhoff eröffnete mit seiner Partnerin den Abend mit einem differenzierten und getragenen Barockklang: Die von dem Engländer Thomas Ford 1607 für zwei Lauten komponierte „Mr. Southeote‘s Pavan“ bestach durch komplexe Polyphonie und einen Klang, der sich deutlich von der kontinentaleuropäischen Barockmusik unterschied und so den Ohren einen ungewohnten Hörgenuss bot.

Ganz im Sinne des gewählten Mottos „Kontraste“ ließen die Musiker die moderne „Toccata“ (1946) des Österreichers Franz Burkhart erklingen. Mit flinken Fingern und exzellenter Dynamikgestaltung entfaltete das Duo einen bestechenden Klangrausch, der sich von einem fließenden Flächenklang über markante, unisono gespielte Melodieelemente zu einem Gesamtklang entwickelte, der fern von jeder Tonalität dennoch mit einem „harmonischen“ Tonus überzeugte. Ein Sprung zurück in die Barockzeit erfolgte mit der von Händel eigentlich für Cembalo notierten „Chaconne in G-Dur“.

In einer Eigenbearbeitung für zwei Gitarren entlockten die Gitarristen ihren Instrumenten zahlreiche perfekte Triller und präsentierten eine außerordentliche Klangvielfalt, die sich zwischen heiter beschwingtem und melancholisch träumerischem Ausdruck bewegte.

Ventilator im Einsatz

Gekonnt entfaltete Kirchhoff über der Begleitstruktur von Kavanagh eine Tonfolge in höchster Lage und bereicherte diese mit Flagolett-Tönen zu einer farbenprächtigen Melodie. Zurück in der Moderne entließ das Duo das Publikum mit einem Werk in die Pause, das nicht nur begeisterte, sondern auch nachdenklich machte und berührte: Die „Sérénade pour deux guitarres“ von André Jolivet (1905-1975). Eröffnet wurde diese Komposition mit einem Satz, der den Zuhörern durch seine im traditionellen Sinne unzusammenhängende Vielfalt wenig Halt bot. Das folgende Allegro wirkte durch seine Dramatik und die zahlreichen Dynamiksteigerungen sehr viel mitreißender und machte mit seiner rasenden Mischung aus gezupfter und geschlagener Spielweise ein Nachstimmen erforderlich. Nach einem sanften und ausgesprochen melodiösem Andante endete das Werk mit einem lebhaften Finale.

Bevor es temperamentvoll südamerikanisch wurde, fasste Kavanagh die brandenburgische Landschaft um Greiffenberg mit sensibler Spielweise in Töne. Der stimmungsvolle Flagolett-Einstieg von „On the lake“ führte zu einem eher aufgewühlten Satz, „In the forest“ erzählte zwischen Feenklängen und wildem Wasserrauschen von den Ereignissen im Wald. Die zirkulierende Melodie von „Wind Dance“ entwickelte sich immer wieder von einem sanften Lüftchen zu einer sich eilig drehenden Windhose. Nach diesen romantisch-modernen Klängen erschien der Kontrast zum folgenden Stück besonders deutlich: Mit „Casablanca“ , komponiert von dem Bolivier Jaime Mirtenbaum Zenamon, brachten die beiden Gitarristen ein ungewöhnliches Werk auf die Bühne.

Mit deutlichem Bezug zu musikalischen Elementen des Filmklassikers fand der Komponist eine ganz eigene Art, den Ventilator in „Rick‘s Café“ musikalisch einzubinden: Mit Handventilatoren erzeugten Kirchhoff und Kavanagh Klangrepetitionen und sägende Töne, die zu spektakulären Klangeffekten führten und den Sprung zurück zur Barockmusik Telemanns besonders schwer machten. Die „Partita Polonaise“ klang jedoch ausgesprochen schön und auch das „Sumara“ von Alfonso Montés (*1955) bescherte mit seinen Sätzen „Danza“ und „Cha cha“ eher angenehme südamerikanische Klänge, denen es nicht an Raffinesse fehlte.


Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Artikel vom 19.01.2011 - 19.48 Uhr

Amadeus Guitar Duo kann im Rathaus nicht überzeugen

Der Verein Gießener Meisterkonzerte präsentierte im Rathaus das Amadeus Guitar Duo. Das Konzert überzeugte nicht.

 

 Amadeus Guitar Duo

Das Amadeus Guitar Duo beim Rathauskonzert.

(Foto: jou)

Der veranstaltende Verein Gießener Meisterkonzerte legt in dieser Winterkonzertsaison die Messlatte so hoch, dass künstlerischer Durchschnitt gegenüber Spitzenensembles wie dem Saxofontrio Sax Allemande oder dem Asasello Quartett verblasst. So spielte das Amadeus Guitar Duo - Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff - am Dienstag im Saal des Rathauses zu Beginn das Largo »Mr. Southeote’s Pavan« (1607) von Thomas Ford zwar passabel, doch könnte man sich die Komposition noch ruhiger, agogisch beweglicher gestaltet vorstellen. Das Duo brachte die Klänge nicht richtig zur Entfaltung, entlockte den Instrumenten keine leuchtende Intonation. Besser gefiel die Toccata (1946) von Franz Burkhart, in der dem Duo virtuos die dynamische Steigerung im Rahmenteil gelang. Georg Friedrich Händels Chaconne G-Dur HV 435, eine Bearbeitung aus der Suite für Cembalo, spielte das Duo mit differenzierter Technik, einige der 21 Variationen wünschte man sich indes wiede-rum melodisch strahlkräftiger gestaltet, das Thema mehr ausgesungen und die Begleitstimmen eine Spur mehr in den Hintergrund gerückt. Es zeigte sich, dass Kavanagh und Kirchhoff auf ihren Gitarren zwar feine Nuancen zutage förderten, die Musik aber zu wenig nachklingen ließen, ihr kaum räumliche Wirkung verliehen. Am modernsten mutete André Jolivets »Sérénade« (1956) an. Bei aller musikalischer Sensibilität, die sich etwa in der dezenten Dynamik offenbarte, vermochte das Duo keine weitläufigen Bögen zu spannen. In Grunde ließ es während des gesamten Konzerts klangschöne Tongebung und natürlich atmende Phrasierung vermissen. Auch in ihrer Eigenkomposition »Tales of Greiffenberg« mangelte es Kavanagh an Gespür für Klangsinnlichkeit. Insgesamt wünschte man sich eine klarere, entschiedenere interpretatorische Handschrift, fehlte den Musikern doch die Fähigkeit, dem Ausdruck Bestimmtheit zu verleihen. So auch bei Georg Philipp Telemanns »Partita Polonaise«, bei der das Duo am wenigsten überzeugte. Die Ouvertüre bot es viel zu zaghaft dar, ließ hier die gebieterische Würde untergehen, während im »Combattans«-Finale das thematisch Prägnante abhandenkam. Ein enttäuschendes Konzert.

Sascha Jouini