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Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

 

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Der Gießener Anzeiger schreibt..

Musikerlebnis besonderer Güte

Saxofon-Trio „Sax Allemande“ zeigt bei Winterkonzert beeindruckende Virtuosität – Kunstvoll-provokanter Wechsel der Stile

Von Susanne Engelbach

GIESSEN. Mit einem außergewöhnlichen Konzert eröffnete der Verein für Meisterkonzerte die traditionellen Winterkonzerte im Kulturrathaus. Das 2009 mit dem Klassik-Echo ausgezeichnete Saxofon-Trio „Sax Allemande“ präsentierte ein ausgefallenes, gar meisterhaftes Programm, das jedoch ein größeres Publikum verdient gehabt hätte.

Das 1996 gegründete Trio „Sax Allemande“ gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Saxofonensembles unserer Zeit. Trotz kleinster Besetzung aus Sopran- (Frank Schüssler), Alt- (Arend Hastedt) und Baritonsaxofon (Markus Maier) verfügte das Ensemble über viel (Ausdrucks-) Kraft und beeindruckte mit Virtuosität, kammermusikalischer Präzision und außergewöhnlichen Arrangements. Natürlich ließ diese ungewöhnliche Besetzung zunächst einmal aufhorchen: der für romantische Klänge ungewöhnlich energische Klang erforderte anfänglich eine Revision eingefahrener Hörgewohnheiten. Spätestens über den beeindruckend sanften Tonfall, den die Musiker immer wieder mit großem Geschick erzeugten, ließ sich jedoch ein Zugang zu dieser reizvollen Klangwelt finden.

Allein die für diesen Abend ausgewählten Lieder aus Mendelssohn-Bartholdys „Lieder ohne Worte“, die, geprägt von einem Potpourri an Gefühlen, die mannigfaltige Ausdruckskraft der Musiker zur vollen Entfaltung brachten, wären in dieser Besetzung ein Erlebnis geworden. Das mit dem deutschen Musikpreis prämierte Kagel-Schubert-Projekt jedoch machte diesen Konzertabend zu einem wirklich außergewöhnlichen und berauschenden Erlebnis.

Das von den Musikern initiierte Projekt wurde von dem 2008 verstorbenen Komponisten Mauricio Kagel, der in seinen Werken selbst immer wieder einen kritischen, aber interessierten Blick auf die Romantik warf, mit einigen bereits existierenden Stücken für andere Besetzungen aus seinem szenischen Werk „Der mündliche Verrat“ unterstützt. Ziel war es bei dieser ungewöhnlichen Kombination mit Schuberts Streichtrios Opus D_471 und D_571, eine Annäherung der beiden unterschiedlichen musikalischen Sphären und eine gegenseitige Durchdringung des Materials zu erreichen, um so „Schubert in Kagel, Kagel durch Schubert“ hörbar werden zu lassen.

 Anders als von dem Trio im Vorfeld angekündigt, waren die Unterschiede in den Kompositionen Schuberts und Kagels immer deutlich wahrzunehmen – wie sollte es auch anders sein! Dennoch führte genau dieser immer wieder vollzogene Wechsel zwischen zwei völlig differenten musikalischen Sprachen zu einem besonders intensiven Erleben individueller Merkmale. Ganz so, als würde man immer abwechselnd in etwas Süßes und direkt anschließend wieder in etwas Saures beißen (wobei dies völlig wertfrei zu verstehen ist). Denn nach einer kurzen Umstellung auf das jeweils Neue ließ sich eine sehr viel intensivere Wahrnehmung erfahren. Gerade der kunstvoll-provokante Wechsel zwischen den Stilen, den die Musiker eindrucksvoll meisterten, und die Verdeutlichung der Unterschiede machten dieses Experiment zu einem Erlebnis besonderer Güte.