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Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Gießener Allgemeine, 26.3.2013

Finale mit Premiere

Frankfurt Strings gestalten das letzte Winterkonzert dieser Saison

Der Programmschwerpunkt auf zeitgenössischer Musik wirkte nicht abschreckend – das letzte Winterkonzert am Sonntag im Rathaus mit den Frankfurt Strings war gleichwohl gut besucht. Die Streichergruppe des HR-Sinfonieorchesters widmete sich zunächst dem Concerto grosso op. 3 Nr. 3 von Francesco Geminiani. Es beeindruckte schon, wie expressiv das Ensemble die leidenschaftliche Eingangsmotivik spielte und wie es im weiteren Verlauf sein Augenmerk auf polyphon durchsichtige Stimmenzeichnung legte. Genauso ausdrucksvoll gelangen die melodischen Seufzer im dritten Satz, einem Adagio. Ungestüm wild und mit feinen dynamischen Abstufungen kam die Musik beim Allegro-Finale daher.

Als öffentliche Erstaufführung war das Concerto grosso des Schlagzeugers Andreas Hepp zu erleben. Einen Bezug zur Barockmusik stellte zunächst vor allem Andreas Küppers am Cembalo her. Insgesamt mutete die Komposition postmodern an in der Verknüpfung elegischer, an die traditionelle Musik erinnernden Violinkantilenen mit avancierten Elementen wie schroffen Rhythmen. Die Interpretation geriet perfekt im Timing und schöpfte die Kontraste ganz aus. Überraschend wirkte eine virtuose Passage, die ganz im barocken Stil gehalten war, abrupt unterbrochen wurde und in einen nachdenklich-ruhigen Teil mündete.

In satter Kolorierung, mit konturierter Cello- und Kontrabassbegleitung bot das Ensemble den Allegro-Kopfsatz des „Brandenburgischen Konzertes“ G-Dur Nr. 3 von Johann Sebastian Bach dar. Hier gefiel die wohldosierte, nicht zu breite Tongebung. In der zeitgemäßen, kaum rückwärtsgewandten Art passte die Interpretation vorzüglich nach der Komposition des Schlagzeugers. Sie reizte die dynamischen Möglichkeiten heutiger Instrumente aus, war zudem gegenwärtigen Hörgewohnheiten verpflichtet.

Für ein besonders interessantes Hörerlebnis sorgte nach der Pause das Concerto grosso Nr. 1 (1976) für zwei Violinen, Cembalo und Klavier von Alfred Schnittke. Überaus sonderbar erschien der Beginn mit dem präparierten, an ein Xylophon erinnernden Klavier. Es folgte eine nicht minder geheimnisvolle chromatische Passage. Die Mikrointervalle ergaben intensive klangliche Reibungen. Schnittke greift ebenso stilsicher wie Hepp Sprachformen der Barockmusik auf, verfremdet sie indes stärker, verzerrt sie und durchsetzt sie mit dem Derben, Banalen. Wie die Sphären in der Komposition einander durchdringen, quasi konkurrieren – dies führt Schnittke im Werkkommentar aus – fesselte in hohem Maße. Für ihre Hingabe und Sorgfalt, mit der sie sich der experimentellen Komposition widmeten, wurden die Künstler mit langem Beifall belohnt und dankten mit einer Zugabe.    Sascha Jouini