Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Würzburger Klaviertrio beim Winterkonzert

Das Würzburger Klaviertrio erfüllte beim Winterkonzert im Konzertsaal des Rathauses die hochgesteckten Erwartungen und päsentierte sich künstlerisch gereift.

 Über farbigen Klavierarpeggien entfaltete sich in Franz Schuberts »Notturno« Es-Dur D 897 eine innige, sehnsuchtsvolle Streichermelodie. Das Klaviertrio Würzburg – die Schwestern Karla-Maria (Klavier) und Katharina Cording (Violine) und deren früherer Kommilitone Peer-Christoph Pulc (Cello) – baute beim Winterkonzert im gut besuchten Rathaus tiefe Ruhe auf und verführte mit seiner emotional intensiven Interpretation zum Schwelgen. Energiegeladen gelangen die Steigerungen. Besonders beeindruckte, wie routiniert die Pianistin die Übersicht wahrte, wie perfekt sie klangliche Balance hielt mit den Streichern, dem Steinway-Flügel dabei eine wandlungsreiche Tongebung entlockte. Die harmonierte vorzüglich mit der nuancierten Intonation der Violinistin und des Cellisten; es ergab sich ein rundes Bild. Ganz sanft ließ das Ensemble den musikalischen Fluss beim ausgedehnten Ausklang abebben.


Ebenso hörenswert schien das im Dezember 1892 aus der Taufe gehobene Trio
e-Moll op. 92 von Camille Saint-Saëns, das auch auf einer voriges Jahr erschienenen CD des Ensembles enthalten ist. Akkordrepetitionen des Klaviers lieferten im eröffnenden Allegro ein tragkräftiges Fundament. Der Vortrag wirkte in den Spannungsbögen ausgefeilt, ließ den Blick fürs große Ganze erkennen. In ihrer Subtilität berührten die lyrischen Momente, die sich von dramatischen Passagen reizvoll abhoben. Noch stimmungsvoller ließ sich der Zwiegesang der Streicher kaum vorstellen. Hervorzuheben ist, wie sorgsam die Musiker ihr Spiel der Saalakustik anpassten, stets auf wohldosierte Tonstärke achteten. Luftig-transparent brachten sie die Bewegungsverdichtung im Mittelteil des zweiten Satzes zur Geltung. Einen Ruhepunkt bildete der dritte Satz, ein Andante, mit dem inspirierten Dialog zwischen Violine und Cello. An einen unbeschwerten Ländler erinnerte der vierte Satz, der durch das leicht schleppende Tempo bedächtige Züge erhielt. Auch beim Allegro-Finale wählte das Ensemble ein moderates, nicht zu rasches Tempo und förderte mit analytischer Scharfsicht die mannigfaltigen kontrapunktischen Elemente zutage; höchst deutlich gerieten die Fugenthemeneinsätze. Dabei strahlte die Interpretation kaum spröde akademische Strenge aus, verströmte vielmehr dank des ökonomischen Einsatzes der gestalterischen Mittel ungeheure Eleganz.

Den hochgesteckten Erwartungen, die das Ensemble in der ersten Programmhälfte weckte, hielt es nach der Pause beim Trio
g-Moll op. 15 Bedrich Smetanas stand. Raffiniert lud es die Musik im Kopfsatz mit Leidenschaft auf und sprach mit seinem mal feinnervigen, dann zupackenden Spiel gleichermaßen Intellekt und Sinne an. Vor allem der lebendige Ausdrucksgestus und der unerhörte Reichtum an Klangfarben faszinierten. Großen Genuss bot auch der nicht minder schattierungsreich gemeisterte Mittelsatz. Dramatisch kamen die Höhepunkte im Presto-Finale daher, zu denen die Musiker Gedankenversunkenheit vermittelnde Passagen gezielt in Kontrast setzten. Gekonnt stauten sie die Bewegung, um wenig später zum virtuosen Schluss auszuholen.

Insgesamt schien das Ensemble gegenüber früheren Auftritten in Gießen noch spürbar an künstlerischer Reife hinzugewonnen zu haben. Für den begeisterten Applaus dankte es mit einer Zugabe von Clara Schumann. Sascha Jouini


Der Gießener Anzeiger schreibt...

Spiel in traumwandlerischer Sicherheit

02.03.2013 - GIESSEN

Von Thomas Schmitz-Albohn

Klaviertrio Würzburg brilliert bei Konzert in Gießen mit Werken von Schubert, Saint-Saëns und Smetana

Trio WürzburgBestechend klar im Ton, elegant und souverän im Spiel, nuancenreich in der Gestaltung: So präsentierte sich das Klaviertrio Würzburg auf Einladung des Vereins der Gießener Meisterkonzerte am Donnerstagabend im gut besuchten Konzertsaal. In der ebenso spannenden wie gefühlvoll durchdrungenen Wiedergabe der in diesem 5. Winterkonzert auf dem Programm stehenden Werke von Franz Schubert, Camille Saint-Saëns und Bedrich Smetana stellten Karla-Maria Cording (Klavier), Katharina Cording (Violine) und Peer Christoph Pulc (Violoncello) eindrucksvoll unter Beweis, dass ihr Ensembles zu denen mit Renommee gehört.

Ihren guten Ruf haben Musiker ja mit jedem Auftritt zu verteidigen. Doch schon in Schuberts Adagio Es-Dur D 897, diesem feinen lyrischen Stimmungsbild mit Ohrwurmcharakter und dankbaren Aufgaben für alle drei Instrumentalisten, ließen die Gäste ihre ganze Könnerschaft aufleuchten. Geradezu traumwandlerisch sicher im Zusammenspiel brachten sie die süße Träumerei der Komposition voller Zartgefühl und in vollendeter Harmonie zum Vorschein.

Höchste Konzentration und auch Disziplin waren im hochartifiziellen Trio e-Moll op. 92 von Saint-Saëns gefordert, im dem durch häufige Taktwechsel ein großes Unruhemotiv steckt und das von den Ausführenden enorme Gestaltungskraft verlangt. Doch schon in dem aufwühlenden, erregenden Allegro non troppo des ersten Satzes mit seinem leichten Anflug von Melancholie lief es bei den Interpreten wie am Schnürchen.

Ein Rad schien ins andere zu greifen, Detail um Detail blitzte auf, ohne dass der große Zusammenhalt aus den Augen verloren wurde. Auch im Allegretto, dessen sonniger Charakter sich bald wieder nach Moll eintrübte, im Andante con moto mit seiner schönen Cellomelodie, im tänzerischen Grazioso und im abschließenden stürmischen Allegro mit Fuge, Doppelfuge und der wieder zurückgekehrten inneren Unruhe kehrte das Klaviertrio Würzburg ein ums andere Mal einen großen Reichtum an Spiel- und Ausdrucksmöglichkeiten hervor.

In großer atmosphärischer Verdichtung war schließlich die bis aufs i-Tüpfelchen ausgefeilte Wiedergabe des Trios g-Moll op. 15 von Smetana zu erleben, das der Komponist zur Erinnerung an seine frühverstorbene Tochter schrieb. Auch wer den leidvollen Anlass nicht kennt, der wird dennoch besonders im Moderato assai des ersten Satzes Klänge des Leidens und der Trauer heraushören. Im Kraftfeld zwischen Pathos und Melancholie ließen die Interpreten aber auch immer wieder genüsslich den unverkennbaren Smetana mit seinem böhmischen Tonfall, dem spezifischen Musikantentemperament und den punktierten Rhythmen hervortreten – so im Allegro, ma non agitato des zweiten Satzes, in dem wehmütige Erinnerungen anklingen. Mit dem stürmischen Presto-Finale, in dem sich am Ende doch noch das versöhnliche Dur durchsetzt, krönten die Musiker ihre Darbietung, die in ihrer Intensität nahe ging und mit jedem Takt kammermusikalischen Geist atmete.

Für den herzlichen Applaus des Publikums bedankte sie sich mit einem Klaviertrio von Clara Schumann: romantisches Sehnen und Fühlen innig gespielt. Bravo!