Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.


Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Artikel vom 29.01.2013

Hörner erschallen im Rathaus

 

Begeisterndes Winterkonzert mit dem Zemlinsky-Quartett und zwei Hornisten 

Zemlinski-Quartett

Wie so oft bewies der veranstaltende Meisterkonzerteverein sicheren Instinkt bei der Auswahl der Musiker: Das Winterkonzert am Sonntag im Rathaus mit dem tschechischen Zemlinsky-Quartett und den Hornisten Christoph Eß und Timo Steiniger dürfte auch sehr anspruchsvolle Hörer zufriedengestellt haben. Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Hornquintett Es-Dur KV 407 begeisterte von Beginn an das kristallene, perfekt der Saalakustik angepasste Spiel. Noch deutlicher artikuliert konnte man sich die Themen im Kopfsatz kaum vorstellen. Besonders bezauberte das motivische Wechselspiel zwischen Horn und Violine. Durchweg gingen Hornist Eß und Petr Strisek (Violine), Frantisek Soucek und Petr Holman (beide Viola) sowie Vladimir Fortin (Cello) in der dynamischen Gestaltung mit Bedacht vor, lenkten ihr Augenmerk auf fein dosierte Tonstärke. Unmittelbar zu berühren vermochten die schönen Melodiebögen im Andante. Das Ensemble verlieh ihnen sehnsuchtsvollen Ausdruck. Atemberaubend weich geriet die Intonation des Hornisten und fügte sich harmonisch in den Streicherklang ein. Geistig erfrischend danach das muntere Rondo-Finale, das einen ersten Vorgeschmack gab vom musikalischen Humor, der sich im weiteren Verlauf des Programms zeigen sollte.

Ebensolchen Genuss bereitete das auf Mozart Bezug nehmende Hornquintett des norwegischen Komponisten Trygve Madsen (geb. 1940), so lebendig gelang das Zusammenspiel. Der unbeschwerte Charakter ließ erahnen, mit welch leichter Hand die Komposition zu Papier gebracht wurde, ohne kunstvolle Form und Struktur missen zu lassen.

Danach forderten vier der zwölf Duos KV 487 von Mozart den Hornisten Eß und Steininger auf engem Raum höchste Konzentration ab. Dem wurden die Musiker dank stilgetreuem, in der Tongebung schlankem Spiel vollauf gerecht. Mit ihrer wandlungsreichen Gestaltung vermittelten sie etwa ansprechend die dynamischen Kontraste im vierten Stück.

Dem Zemlinsky-Quartett bot das Streichquartett Nr. 1 op. 70 von Madsen – hier übernahm Soucek die erste Violine – ausgiebig Gelegenheit, seine Stärken zu demonstrieren: vom Kopfsatz, der leidenschaftliche Momente mit einer sich zuspitzenden Fuge verband, über die in die Ferne schweifende, von Cellopizzicati getragene Violamelodie im zweiten Satz bis hin zu den grotesken, widerborstigen Momenten im Schlusssatz.

Zum Schmunzeln reizte Mozarts „Dorfmusikanten-Sextett“ KV 522 – ein „musikalischer Spaß“ durch und durch! Welchen Scherz sich der Wiener Klassiker mit den Hörern erlaubt, offenbarte sich bereits im Kopfsatz in den allzu oft wiederholten, stumpfsinnigen, sich abnutzenden Wendungen. Die bewusst eingebauten Unzulänglichkeiten vergegenwärtigte das Ensemble voller Witz. Deuten ließen sie sich auch als Seitenhieb gegen drittklassige Komponisten, die allenfalls das Regelwerk halbwegs beherrschen, denen es indes an Kreativität mangelt. Herrlich die gewollt schrägen Horntöne und die übereifrigen Violinläufe im Menuett. Jähe Sforzati störten im „Adagio cantabile“ die friedvolle Stimmung. Überraschend wirkte auch die überdreht virtuose Solokadenz der ersten Violine, die in einen kaum passenden braven Schluss mündete. Zu Ende ging das Werk mit einem gewichtigen Presto, in dem Mozart noch einmal Irritationen bereithielt. Dem kräftigen Applaus des Publikums folgte Madsens „Kleine Jagdmusik“ als Zugabe.

    Sascha Jouini