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Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Mit dem Blick für weite Bögen

 Gießener Allgemeine, 10.3.2014

MarianiVielversprechend geriet der Auftakt des fünften Winterkonzertes im Rathaus mit dem Mariani Klavierquartett: Peter Bohnen (Violine), Barbara Buntrock (Viola), Peter-Philipp Staemmler (Cello) und Gerhard Vielhaber (Klavier) meisterten den pathetischen Beginn der Fantasie f-Moll von Frank Bridge (1879 bis 1941) voller Expressivität. Dann ebbte die Spannung ab; ein besinnliches Klaviersolo führte zu einer schwelgerischen Passage. Insgesamt gefiel die intensive Klangverschmelzung, das Gespür der Musiker, der Komposition harmonische Facetten abzugewinnen. Am selben Strang zogen sie beim energischen Allegro-Teil, spielten darin rhythmisch straff, wie aus einem Guss, ehe sie wieder die ruhige Anfangsstimmung erreichten. Die sensible, in der Tongebung fein ausbalancierte Interpretation begeisterte restlos. Da gingen Künstler mit Blick für weite Bögen, für ein rundes Bild zu Werke. Wie sie die Musik sanft fließend erlöschen ließen, zeugte von künstlerischer Klasse.

Den hohen Erwartungen hielt das Ensemble beim Klavierquartett Nr. 1 des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu stand. Rhythmische Präzision verband sich im Kopfsatz mit stark ausgeprägtem Temperament. Die Musiker wussten stets, im rechten Maße die Akzente zu setzen, um den virtuosen Schwung zu treffen. In ihrer Schlichtheit und Schwermut berührten die Streichermelodien beim Adagio. Die Musik trat hier quasi aus einer der Welt enthobenen Sphäre an die Hörer heran. Wirkungsvoll gelangen beim Finale die Steigerungen und Bewegungsverdichtungen.

Besonders interessant schien der erste Teil des Quartetts Nr. 3 c-Moll op. 60 von Johannes Brahms mit dem heftigen dynamischen Kontrast zwischen geheimnisvoller, die Ohren spitzender Stimmung in den eröffnenden Phrasen und folgendem geballtem Ausbruch. Im weiteren Verlauf achtete das Ensemble gleichermaßen auf schlüssige formale Konzeption. Diese Stringenz offenbarte sich erneut beim Scherzo mit dem drängenden Impuls, der vollkommen auf unmittelbare Wirkung zielenden Tonsprache. Große Innigkeit verströmte das Cellosolo im Andante; der Violinist führte die thematischen Gedanken einfühlsam fort. Wieder bezauberte die Stetigkeit, mit der die Musiker den Fluss abebben ließen. Souverän wahrte der Pianist beim Finale die Übersicht. Nur das letzte Quäntchen an klanglicher Durchsichtigkeit fehlte hier. Dem vorzüglichen Gesamteindruck tat dies indes kaum Abbruch. Für den lang anhaltenden Applaus dankte das Ensemble mit dem ,,Andante cantabile" aus Robert Schumanns Es-Dur-Quartett als Zugabe.     Sascha Jouini



Der Gießener Anzeiger schreibt...

Schwelgerischer Martinu, glutvoller Brahm

10.03.2014 - GIESSEN

WINTERKONZERT Mariani-Klavierquartett erfüllt höchste musikalische Ansprüche und begeistert zahlreiche Zuhörer im Konzertsaal


GIESSEN - (rfi). ). Das 2009 gegründete Mariani-Klavierquartett mit Peter Bohnen (Violine), Barbara Buntrock (Viola), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Gerhard Vielhaber (Klavier) gastierte am Freitagabend im Rahmen der Winterkonzerte im Gießener Konzertsaal. Das Konzert erfüllte höchste musikalische Ansprüche. Auf dem Programm standen Werke des 19. und 20. Jahrhunderts.

Den Anfang machte das Ensemble mit Frank Bridges "Phantasy for Piano-Quartet" f-Moll. Das Werk gehorcht einer dreiteiligen Form: Einer langsamen Einleitung folgt ein Allegro vivace, das seinerseits in einen langsamen Schlussabschnitt mündet. Der leidenschaftlich-erregte Beginn gelang den Musikern ganz ausgezeichnet. Ihm folgte eine elegische schöne Melodie im Klavier. Schon hier bestach das Mariani-Klavierquartett durch sein homogenes Zusammenspiel; die Streicher verfügten über einen warmen, expressiven Ton und der Pianist brillierte durch eine reiche Palette an Anschlagsnuancen.

Im Mittelpunkt stand das selten zu hörende 1. Klavierquartett von Bohuslav Martinu. Einem motorisch bestimmten Kopfsatz schließen sich zwei schwelgerische Sätze an. Mit kurzen energischen Gesten von perkussivem Zuschnitt beginnt es. Den Hauptsatz ergänzt ein lyrisch-kantables Seitenthema. Höhepunkt des Stücks ist der langsame Satz, ein Adagio, in dem das Klavier zunächst schweigt. Der Komponist hat ein dichtes polyfones Klanggewebe geschrieben, das edlen Wohllaut verströmt. Die Gäste musizierten hier mit großem Ton und anrührender expressiver Gebärde. Im Finalsatz setzte sich der schwelgerische Klangeindruck fort - jetzt gepaart mit rauschhaften Zügen.

Abschließend ertönte 3. Klavierquartett c-Moll op. 60 von Johannes Brahms, in dem sich die unglückliche Liebe zu Clara Schumann widerspiegelt. Der glutvolle erste Satz ist klanglich zerrissen; große expressive Gesten und lyrische Episoden wechseln einander ab. Dabei gelang es dem Pianisten, trotz großer klanglicher Fülle seines Parts, nie die Streicher zuzudecken. Mittelpunkt des Werkes ist das glutvolle Andante mit seiner schwelgerischen Cellomelodie. Hier lässt Brahms Trostvolles anklingen. Im Finalsatz kombiniert der Komponist zwei lyrische Themen mit Klangballungen in der Überleitungsgruppe. Auf dem Satzhöhepunkt führt er Violine und Viola kanonisch - ein ergreifender Moment!

Indem das Ensemble Brahms ans Ende des Programmes setzte, bewies es viel Sinn für eine kluge Klangdramaturgie. Die zahlreichen Zuhörer erklatschten sich eine Zugabe.