Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Freitag, 7 März 2014, 20.00 Uhr

Mariani Klavierquartett

Programm:

Frank Bridge (1879 – 1941) - Phantasy for Piano-Quartet f-Moll
Andante con moto
Allegro vivace
Tranquillo
Bohuslav Martinů (1890 – 1959) - Klavierquartett Nr. 1
Poco allegro
Adagio
Allegro poco moderato-Poco allegro-Allegro-Andante-Allegretto-Allegro
Pause
Johannes Brahms (1833-1897) - Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60
Allegro non troppo
Scherzo: Allegro
Andante
Finale: Allegro comodo

Frank Bridge

Auf dem "rechten Flügel" der englischen Kammermusik sei er angesiedelt, meinten Kritiker des Komponisten Frank Bridge schon zu dessen Lebzeiten. Aus der Sprache der Politik in die Musik übertragen, bedeutet dies wohl, dass Frank Bridge ein Konservativer war. Dies kann mit Fug und Recht behauptet werden. Bridge gilt in der englischen Musik des 20. Jahrhunderts als "Eklektiker der post-romantischen Ära, ohne revolutionäre Ambitionen, aber mit einem Sinn für Synthese des Vorhandenen zu einem persönlichen Stil" (E. Evans). Die Phantasy für Klavierquartett schrieb Bridge 1910 als Beitrag zu einem Kompositionswettbewerb. Dabei war es der Auftrag, im Stile der altenglischen Streicherfantasie kammermusikalische Werke in jeweils zugeteilten Besetzungen zu schreiben.   Das Wesentliche an der altenglischen Streicherfantasie war ihre Mehrsätzigkeit in der Einsätzigkeit. In Tempo und Charakter kontrastierende Abschnitte werden in den Rahmen eines einzigen großen Bogens integriert. Eben dieses Prinzip verwirklichte Bridge in seiner fis-Moll-Phantasy in vollendeter Weise. Auf eine Einleitung im bewegten Andante-Tempo folgt ein Allegro vivace, das am Ende wieder in ruhige Gefilde zurückgelenkt wird. Bridge zählte zu den besten Bratschisten seiner Zeit. Als Mitglied des Joachim Quartetts und des English String Quartet war er ein erfahrener Quartettspieler. Daher rührt die handwerklich geschickte Faktur.

 

Bohuslav Martinú

Das Klavierquartett war das erste Werk, das nach beschwerlicher Flucht aus Frankreich und Ankunft in New York 1942 im amerikanischen Exil entstand. Martin? widmete es den Mitgliedern des Chamber Music Guild Quartet, die es im Sommer 1942 auf dem Tanglewood Festival in Berkshire uraufführten. Der erste Satz ist von einer nicht ermüdenden Energie geprägt und strotzt vor Kraft und Virtuosität. Der zweite Satz ist von einer dichten Polyphonie der Streicher bestimmt, während das Klavier fast durchweg schweigt. Im letzten Satz übernimmt dann das Klavier mit einer tschechischen Pastorale die Führung. Martin?s Lieblingstonart B-Dur wird von einem synkopierten Sechsachtel-Takt getragen und endet in freudiger Ekstase. Vor dem biografischen Hintergrund kommt dieser Freudenstimmung und dem Gefühl, sich aufgehoben zu fühlen, eine besondere Bedeutung zu: Martin? war angekommen und mit ihm seine Musik.

 


Johannes Brahms

In Ziegelhausen bei Heidelberg vollendete Johannes Brahms im Juli 1875 sein drittes Klavierquartett in c-Moll. Das Stück wurde noch im folgenden November von seinem Verleger Simrock unter der Opuszahl 60 veröffentlicht. Es war ein schwer errungenes, über Jahrzehnte gereiftes Opus - das kammermusikalische Gegenstück zur Ersten Sinfonie in c-Moll, die Brahms im Sommer darauf vollenden sollte.
Bereits 1855, mit 22 Jahren, hatte er ein Klavierquartett in cis-Moll begonnen, von dem mindestens drei Sätze (Allegro, Scherzo und Andante) vollendet wurden. Aus diesem Frühwerk übernahm er Teile in das c-Moll-Quartett, mindestens den überarbeiteten ersten und den zweiten Satz. Dennoch bedurfte es dreier Anläufe in den Jahren 1869, 1874 und 1875, bis aus dem älteren cis-Moll-Stück das c-Moll-Quartett gewonnen war.


Warum der Kampf um die Vollendung zum zähen Ringen wurde, erklärt sich aus den autobiographischen Bekenntnissen, die Brahms gerade diesem Werk anvertraut hat. Während er Autobiographisches in seiner Musik sonst generell leugnete, hat er hier den Schleier ausnahmsweise gelüftet. Als er die Endfassung des Quartetts 1875 an seinen Verleger Simrock schickte, meinte er scherzhaft, man solle doch in der Notenausgabe ein Bild des Komponisten "im Werther-Kostüm" abdrucken. Indem er sich selbst mit Goethes verzweifeltem Selbstmörder identifizierte, scheint Brahms auf seine 20 Jahre zurückliegenden Gefühle im Zwiespalt zwischen Clara und Robert Schumann angespielt zu haben. Das Düsseldorfer cis-Moll-Quartett war zwei Jahre nach seiner ersten Begegnung mit den Schumanns und auf dem Höhepunkt seiner Liebesbeziehung zu Clara entstanden. (Karl Böhmer)