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Der Gießener Anzeiger schreibt...

Duo Brillaner im Konzertsaal

Gießener Anzeiger, 19.02.2014

Von Heiner Schultz

GIESSEN. Einen wirklichen musikalischen Hochgenuss verschaffte am Dienstag das Duo Brillaner den Zuhörern im sehr gut besuchten Konzertsaal des Rathauses. Klarinettistin Shirley Brill und Pianist Jonathan Aner zeigten mit Werken von Brahms, Berg und Lutoslawski nicht nur handwerkliche Klasse, sondern souveräne interpretatorische Brillanz.

Jonathan Aner, geboren 1978 in Israel, wurde 2011 als hauptamtlicher Professor für Kammermusik Klavier mit Streichern an die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin berufen. Er studierte Musik bei Prof. Arie Vardi an der Hochschule für Musik und Theater Hannover sowie Klavier bei Prof. Konrad Elser an der Musikhochschule Lübeck. 2007 begann er ein Aufbaustudium zum Master of Music bei Vivian Weilerstein am New England Conservatory Boston. Er ist auch Mitglied des Oberon Trios und war international mit größtem Erfolg tätig.

Shirley Brill, geboren 1982 in Israel, erhielt ihre erste musikalische Ausbildung bei Yitzhak Katzap am Petah Tikva Conservatory in Israel. Später studierte sie in Deutschland bei Sabine Meyer an der Musikhochschule Lübeck sowie in den USA bei Richard Stoltzman am New England Conservatory of Music in Boston. Sie ist Solistin beim Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta und beizahlreichen anderen Toporchestern und feierte große internationale Erfolge. 1999 gründete Brill mit ihrem Ehemann Jonathan Aner das Duo Brillaner. Beide widmen sich auch der modernen Musik.

So erklangen zunächst die „5 Dance Préludes“ von Witold Lutoslawski (1913 bis 1994), eine höchst lebendige Angelegenheit und trotz der Kürze der Teile ein hörenswerter, erfrischender Kontrast. Das Duo musizierte äußerst differenziert: mal kurz und knackig im ersten Satz, dann innig und nachdenklich, schön verrückt im dritten Satz Andante giocoso und praktizierte dann im vierten Satz ein apartes Miteinander der Stimmungsgegensätze. Toller Ausklang in die Stille des Saals. Dann sogleich der erste starke Applaus, man spürte, hier waren Topkapazitäten am Werk.

Nach dieser vorbereitenden Elektrisierung widmete man sich Johannes Brahms (1833 bis 1897) Sonate Es-Dur op. 120,2, „der ruhigen, lyrischen,“ wie Aner in der ersten seiner hochkundigen, leicht verständlichen und ungemein charmanten Moderationen sagte.

Brill zeigte im ersten Satz Allegro amabile eine mühelose, sehr schöne Vielfalt der Klangzeichnungen und verband ihr Spiel zugleich mit großer Emotion und toller inhaltlicher Klarheit. Im Allegro appassionato praktizierte man die Leidenschaft maßvoll, mit größter Sicherheit. Herausragende Interaktionen und vollkommene Geschlossenheit verbanden sich mit souveräner Nuancierung. Aner ließ manche Klänge gleichsam aus dem Instrument herauswehen, und man schloss zumeist mit einem Ausklingen in die Stille ab. Das förderte auch im Publikum höchste Konzentration und nicht zuletzt Hingabe – kein Muckser. Die herausragende erzählerische Kompetenz zeigte sich dann im dritten Satz Andante con moto. Perfekte Binnendramaturgie, der Flügel atmete zuweilen, es strömte eine famose Energie bis zum perfekten Ausklang.

Auch Alban Bergs (1885 bis 1935) Vier Stücke op. 5, ebenfalls sehr kurz, geriet zum erfrischenden Exkurs. Sehr schön, überaus klar strukturiert und inhaltlich einleuchtend war das. Den Abschluss bildete Brahms‘ Sonate f-Moll op. 120,1. Brill und Aner schufen ein höchst einleuchtendes klangliches Miteinander, das die klare erzählerische Linie überaus deutlich werden ließ, zum Teil kunstvoll filigran ausgeführt. Auch hier ließen die beiden Elemente voller strahlender Energie und zugleich minutiöser Präzision entstehen, nahmen jedoch auch immer wieder den Schwung zurück, um Stimmungswechsel akkurat zu realisieren. Nicht nur, doch auch diese enorme Gestaltunsgssicherheit ließ das Publikum schließlich in anhaltenden, massiven Applaus ausbrechen. Ein Abend allergrößter Qualität und emotionaler Wucht, ein Erlebnis.


Die Gießener Allgemeine schreibt...

Gießener Allgemeine, 20.2.2014

Ungetrübtes Bild

Duo Brillaner brilliert bei Winterkonzert im Rathaus

 

Duo BrillanerBeim Duo Brillaner – Shirley Brill an der Klarinette und Jonathan Aner am Klavier – verbindet sich auf angenehme Weise künstlerische Kompetenz mit bescheidener Ausstrahlung. Dies zeigte sich etwa daran, wie kenntnisreich, zugleich unaufdringlich Aner beim Winterkonzert im Gießener Rathaus Hintergrundinformationen zu den Kompositionen lieferte. Oder auch bereits daran, wie selbstbewusst, doch ohne Starallüren das renommierte Duo zu Beginn das Podium betrat und prompt loslegte mit den „Five Dance Preludes“ von Witold Lutoslawski. Im ersten Stück trafen die beiden Musiker gekonnt den kecken, munteren Ton.

Dazu kontrastierte das schwermütige Andantino. Darin intonierte die Klarinettistin die Melodie gedankenversunken und wurde vom Pianisten perfekt unterstützt. Voller Energie steckte die gackernde Motivik im „Allegro giocoso“; das Duo brachte sie rhythmisch auf den Punkt. Das andere Extrem des musikalischen Kaleidoskops lotete das Andante mit der sehnsüchtig in die Ferne schweifenden Stimmung aus, ehe das mit viel Temperament und Humor dargebotene Finale das ungetrübte Bild abrundete. Auf ebensolchem Niveau ging es weiter bei Johannes Brahms' Sonate Es-Dur op. 120 Nr. 2. Sehr ansprechend wirkte im Kopfsatz die ausgewogene, detailverliebte Intonation der Klarinettistin und die dynamisch abwechslungsreiche Spielweise des Pianisten.

Es faszinierte, wie fantasievoll sich das Duo in den lieblichen Charakter der Musik einfühlte. Zudem hielt es genau klangliche Balance und evozierte so innere Geschlossenheit. Da erhielt jede Phrase melodischen Feinschliff, offenbarte sich in vielfältigen lyrischen Nuancen. Auch im weiteren Verlauf beeindruckte die poetische Tiefe – bis hin zu den finessenreich gespielten Variationen, in denen sich die Instrumente erneut zu einer engen kompositorischen Einheit fügten.

Im Gegensatz zur Brahms'schen Weitläufigkeit bevorzugte Alban Berg in seinen „Vier Stücken“ op. 5 formale Knappheit. Brill und Aner vermittelten darin inspiriert die Bandbreite zwischen ruhigen, verinnerlichten Passagen, in denen der Zeitfluss gebremst schien, und flüchtigen Momenten, die ob ihrer Kürze den Hörern volle Konzentration abverlangten. Tumultartig verdichtete sich im letzten Stück die Struktur – bis zum versöhnlichen Ausklang.

Dass sich das Duo zum Schluss noch der anderen Brahms-Sonate (f-Moll op. 120 Nr. 1) widmete, ließ keine Monotonie aufkommen, so ausgefeilt brachte es etwa im ersten Satz das Spektrum von resignativem Trübsinn bis hin zu leidenschaftlicher Erregtheit herüber. Unendlich sanft mutete die Klarinettenmelodie im Andante an, streichelte in ihrer emotionalen Geradlinigkeit die Seele. Nicht minder bezauberte, wie leichtfüßig das Duo im Allegretto die tänzerische Bewegung einfing. Sicheres Rhythmusgefühl bewies es wieder im Vivace-Finale, bei dem elegante Virtuosität mit komplexem Ausdruck einherging. Für den herzlichen Applaus dankte das Duo mit einer Arabeske als Zugabe.

Sascha Jouini