Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Kritik der Gießener Allgmeinen Zeitung

Gießener Allgemeine, 30.11.2013

Winterkonzerte gesichert

Aber nur noch vier pro Jahr - Wupper-Trio begeistert

Eine gute Nachricht hatte Dr. Dieter Lindheimer, der Vorsitzende des Meisterkonzertvereins, beim Winterkonzert im Rathaus parat: Wenngleich gekürzt, genüge der zugesagte städtische Zuschuss zum Fortbestand der Veranstaltungen in reduziertem Umfang - immerhin insgesamt acht Termine pro Jahr (Basilika- und Winterkonzerte) plane der Verein künftig.Wupper
In welch hohem Maße die Konzertreihen zur Bereicherung des Kulturlebens beitragen, davon gab das Wupper-Trio ein eindrucksvolles Beispiel. Sayaka Schmuck (Klarinette), Axel Hess (Viola) und Daniel Heide (Klavier) beeindruckten im Eröffnungsstück der ,,Märchenerzählungen" op. 132 von Robert Schumann durch intensives Zusammenspiel und zeichneten das motivische Geflecht sehr deutlich. Auf den Punkt gebracht artikulierten sie im zweiten Stück. Beim dritten unterstrich die weiche Intonation der Klarinette und Viola den ruhigen, lyrischen Charakter. Das Holzblasinstrument stand hier im Mittelpunkt, bekam viel Raum zu klanglicher Entfaltung. Trotzig wirkte das Schlussstück durch die scharfe Rhythmisierung. Im Ganzen fühlte sich das Trio mit sicherem Instinkt in die lebendige Tonsprache ein, traf fantasievoll den unterschiedlichen Ausdruckscharakter der Sätze.
Unmittelbar zu berühren vermochte die Schwermut im ersten der ,,Acht Stücke" op. 83, die Max Bruch 1908 komponierte und von denen das Ensemble eine Auswahl darbot. So beleuchteten Schmuck, Hess und Heide die elegischen Züge recht nuanciert. Kaum minder reizvoll das zweite Stück: Über dichten Klavierarpeggien entwickelte sich hier ein expressives Spiel der beiden Melodieinstrumente. Poetisch besonders tiefgründig muteten die thematischen Gedanken im ,,Nachtgesang" (Nr. 6) an. Funkensprühend vital kam die Musik im zuletzt vorgetragenen siebten Stück daher; der feinsinnige Humor begeisterte restlos.
Argentinische Leidenschaft erfüllte den Saal nach der Pause in Astor Piazzollas Tango-Zyklus ,,Estaciones Portenas" (Die vier Jahreszeiten von Buenos Aires), derart beseelt spielte das Ensemble. Durchweg gefiel das vorzügliche Rhythmusgefühl - bei wuchtigen Passagen ebenso wie bei entspannten Momenten. Tänzerisch temperamentvolle Takte kontrastierten zu intimen Phrasen, in denen Hess, der nun zur Violine griff, und Schmuck ihre Instrumente wunderbar zart singen ließen. Wie schon bei Schumann und Bruch lieferte das Ensemble ein rundes, in sich geschlossenes Bild und bereitete mit seiner lockeren Musizierweise ungetrübtes Hörvergnügen. Für den kräftigen Applaus dankte das Wupper-Trio mit einer Zugabe zum Dahinschmelzen: Piazzollas ,,Oblivion".  

Sascha Jouini