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Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Gießener Anzeiger

Heiner Schultz

Einen wahrhaft wunderbaren Musikabend erlebten die Besucher des 1. Winterkonzerts am Dienstag im voll besetzten Konzertsaal. Das Infinitum-Quartett mit Friedemann Wuttke (Gitarre) und Marcelo Nisinmann (Bandoneon) zeigte mit formidabler Präzision und Emotionalität seine außergewöhnlichen Qualitäten.

Rasa Zukauskaite (1. Violine), Alessio Taranto (2. Violine), Friedemann Wuttke (Gitarre), Marcelo Nisinmann (Bandoneon), Axel Lis (Viola), Valeria Lo Giudice (Cello) und Ionut Barlan (Kontrabass) musizierten.

Man spielte Werke von Nisinmann, Boccherini, Piazolla und Mozart. Doch nicht irgendeinen Mozart: Das Quartett servierte zwar das mehr als wohlbekannte Divertimento D-Dur, KV136 für Quintett mit Bassist Ionut Barlan. Aber der Schwung, mit dem sie musizierten und die Spiellust, die den Musikern da aus den Augen blitzte, machten den Evergreen zu einem echten Genuss. Die superklare Gestaltung und geistvollen Variationen – zwei Markenzeichen des Ensembles – sowie die emotionale Intensität, gemeinsam mit der souveränen Homogenität, ließen das Werk vital und unverbraucht wirken. Riesenbeifall.

Zum Auftakt gab’s Nisimanns „Hombre Tango“ für Bandoneon, Violine und Kontrabass. Das kam topgeschlossen, mit explosiver Betonung, zuweilen in wilden expressiven Wellen und mit einigen freien Elementen. Leidenschaftlich war’s, spannend und wurde toll abgeschlossen. Sofort waren alle Zuhörer gefangen.

Es schloss sich an Luigi Boccherinis Gitarrenquintett No. 4 D-Dur („Fandango“) für Gitarre und Streichquartett in drei Sätzen. Dem Allegro maestoso mit schönen, harmonischen Kontrasten folgte eine insgesamt zartere, zurückhaltendere, exzellent durchsichtige Pastorale mit authentischer Emotionalität. Nicht zum letzten Mal zeigte sich Gitarrist Wuttke als Primus inter Pares: solistisch herausragend und mit vollkommenem Zusammenspiel. Sehr gute Effekte (Cello) ergänzten ein Geschehen rundum glasklarer Einzelbeiträge; souveräne Dynamikgestaltung.

In Astor Piazollas „Five Tango Sensations“ für Bandoneon und Streichquartett entfaltete das Ensemble erneut seine beachtliche Vielfalt der Darstellung. Nisinmann zeigte sich als herausragender Instrumentalist, der mit ungemein einnehmender Klarheit und Intensität des Ausdrucks das Geschehen bestimmte. Leise, fast fragile Phasen wehten ins Filigrane hinein, dann wieder schillernde Klangfarben des Bandoneon, später eine virtuose Solopartie – in dem fünfsätzigen Werk erstrahlten alle Klangarben und Gefühlswelten des Tango in geradezu greifbarer Klarheit.

Mit Piazollas abschließendem dreisätzigen „Double Concerto“ für Gitarre, Bandoneon und Quintett konnte man nach einem superben Gitarrenintro noch einmal die volle Bandbreite lückenlos virtuoser Handwerklichkeit des Großensembles erleben. Orchestrale Fülle mit zugleich bemerkenswerter Leichtigkeit war zu genießen, wobei die Geschlossenheit nicht eine Spur nachließ. Hochenergetisch, mit teilweise fast filmmusikalischem Schwung, nahm das den Zuhörer noch einmal vollkommen gefangen. Enormer, langer Applaus für einen Maßstäbe setzenden Abend. Als Zugabe verzauberten Wuttke und Nisinmann im Duett mit einer verträumten, ungemein intensiven Version von Piazollas „Oblivion“ ein letztes Mal ihre Zuhörer.

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