Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.


Der Gießener Anzeiger schreibt:

23.11.2015

Von Heiner Schultz

GIESSEN. Ein Musikerlebnis der Oberklasse schenkte beim 2. Winterkonzert der Gießener Meisterkonzerte das Trio Walter den entzückten Zuhörern. David Walter, Oboe, Frederic Lagarde, Klavier und Rie Koyama am Fagott bewiesen mit traumhafter Klarheit und bestechender Intensität des Ausdrucks ihre herausragende musikalische Kompetenz.

Das Publikum im sehr gut besetzten Levi-Saal konnte sich auf ein ungewohntes Programm einstellen: Mozart, Beethoven und Max Bruch bildeten den ersten Teil, weiter ging‘s mit Ernest Chausson, Erik Satie und Francis Poulenc. David Walter hatte sämtliche Triostücke für diese Besetzung bearbeitet.

Der erste Satz aus Mozarts kleiner Nachtmusik KV 525 erklang mit fröhlichem Schwung der Oboe, insgesamt anmutig und differenziert: knackig, ein wunderbarer Auftakt. Auch Beethovens Gassenhauer Trio op. 11 (das Original war für Klarinette, Violoncello und Klavier geschrieben) wurde - wie alle Stücke des Abends - sehr dynamisch musiziert, und es gab eine sehr gute Ausformung der dynamischen Spitzen. Doch auch die filigranen Elemente wurden klar dargestellt. Im zweiten Satz überzeugte besonders Koyamas Fagott mit Anmut und Emotion, wobei allen Instrumenten reichlich Raum gegeben wurde. Der dritte Satz war das erste Glanzlicht des prachtvollen Abends. Erfrischend und lebhaft wurde der große Farbereichtum des Werks entfaltet, mit schönen Tempowechseln und sehr guten Kontrasten.

Hochangenehm klar konturiert erklangen auch Max Bruchs vier Stücke aus acht Stücken für Oboe (ursprünglich für Klarinette, Bratsche und Klavier). Im Andante fast andächtig, schön und versammelt, im Zweiten dann aufblühend und entwickelt, mit emotional und expressiv sehr gut gestalteten Solopartien, wurde der dritte Satz zum klaren Höhepunkt. Fast himmlisch erklang die Oboe d’Amore, zart, klar und ausdrucksvoll. Der kraftvolle vierte Satz war nach flottem, marschierenden Auftakt geprägt von einer angenehmen Forschheit.

Als Weltpremiere erklang Ernest Chaussons Trio für Oboe, Fagott und Klavier (im Original für Violine, Cello und Klavier). Sanfte, beseelt gestaltete Dynamik herrschte vor, wobei die Besonderheit des Werks plastisch herausgearbeitet wurde. Natürliches Klangatmen, kraftvolles Musizieren – ein weiterer Höhepunkt.

Einen reizvollen Kontrast bildeten Frédéric Lagardes Interpretationen von Eric Saties „Gymnopedies No. 1“, „Gnossienne No. 1“ und „Valse-Ballet“. Mit ganzer Hingabe muszierte Lagarde, ließ die Musik in den Saal wehen und agierte mit sehr zarter Prägnanz und feinem Ausdruck. Das zweite Werk verströmte wesentlich mehr Energie, blieb aber dennoch stimmungsmäßig versunken. Das dritte Werk musizierte Lagarde schließlich mit zarter Beschwingtheit und im Tempo sehr sensibel. Ein kraftvolles Erlebnis, das Publikum applaudierte beglückt.

Den Abschluss bildete Francis Poulencs Trio für Oboe, Fagott und Klavier. Koyama eröffnete schwungvoll, mit souveränem Klang und federleichtem Tempo. Das war ein kleines Feuerwerk, sehr kraftvoll und dann wieder wunderbar sanft, mit fabelhafter Betonung. Höhepunkt war der dritte Satz, der mit wahrhaft kantabler Energie musiziert wurde. Auch hier, wie jedes Mal, wurden reichlich klangliche Synergien erarbeitet, eine bestechende Differenzierung der Instrumente gewahrt. Das instrumentelle Klangspektrum wurde ohne Ausnahme klug und konsequent ausgelotet: ein Meisterkonzert, wie es im Buche steht, ein Glücksfall. Enormer Beifall.