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Gießener
Meisterkonzerte
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Gießener Anzeiger vom 23.11.2016

Faust-Trio erfreut Zuhörer im Gießener Meisterkonzert

GIESSEN - (hsc). Einen erfreulichen Eindruck hat am Montag das Meisterkonzert des Faust-Trios hinterlassen: Johanna Pichlmaier (Violine), Marie Rosa Günter (Klavier) und Magdalena Faust (Klarinette) musizierten im Hermann-Levi-Saal äußerst vital und auf überzeugend professionellem Niveau - die Woche fing gut an.

Schon bei Darius Milhauds (1892 bis 1974) Suite op. 157 b in vier Sätzen zeichnete sich eine exzellente expressive Bandbreite ab. Zunächst frisch, energisch und heiter, wurde sodann verhaltener, fast nachdenklich musiziert und mit einem perfekten Abschluss ein kompetenter Akzent gesetzt. In schönem Tempo, sehr leicht erklang der dritte Satz (Jeu). Im vierten ergab sich ein zarter Fluss, und es wurde mit felsenfester Dynamikgestaltung agiert. Eine weitere Stärke des Trios, die feinsten Nuancierungen, traten deutlich hervor. Wie ein frischer Wind.

Jaques Iberts (1890 bis 1962) "Deux interludes", eine modernere Komposition, begann mit sehr gefühlvollem Ausdruck, um dann im zweiten Teil unter Verwendung spanischer Elemente eine andere Stimmung zu gestalten. Außergewöhnlich der Ausdruck und die Schönheit der Interaktion bei Violine und Klarinette. Ganz differenziert, fast entspannt wurde musiziert.

Francis Poulencs (1899 bis 1963) Sonate für Klarinette und Klavier legte den Akzent noch etwas weiter auf die Komplexität der Komposition. Die Darbietung war von analytischer Helligkeit, Stimmungen traten angenehm wahrnehmbar hervor. Besonders gut: Günters sensible Klavierarbeit. Die aparte Dramatik des nicht direkt einschmeichelnden Werks wurde in sanftem Duktus ausgezeichnet realisiert. Schön romantisch, mit schmelzendem Ausdruck wurde eine große emotionale Geschlossenheit deutlich. Der Beifall der Zuschauer wurde mit jedem Titel stärker und herzlicher.

Bei Claude Debussys (1862 bis 1918) Violinsonate zeigten Günter und Pichlmaier federleicht mit verträumter und besinnlicher Spielweise große Sicherheit im Ausdruck. Leicht schräge Ausdrucksvarianten wurden ebenso klar modelliert, wie die komplexe Form überaus durchsichtig realisiert wurde. Dabei blitzten Momente berückender Schönheit auf.

Ganz anders ging es zu bei Igor Strawinskys (1882 bis 1971) Suite aus "L'histoire du soldat" in fünf Sätzen. In Fausts Moderation wurde der kapitelhafte Charakter des Werks klar. Musikalisch ließ sich das ebenso klar verfolgen, die kompositorische Absicht ist klar bildhaft und konkret, ohne dabei ins Banale zu rutschen. Ungemein unterhaltsam klang das in der knackigen Umsetzung des intuitiv zusammenwirkenden, instrumentell ausnahmslos herausragenden Trios.

Die jungen Musikerinnen erhielten bereits ausnahmslos zahlreiche Preise und Stipendien namhafter Wettbewerbe und Institutionen. Das wunderte nach diesem Abend wunderbar kraftvoller und zugleich filigran differenzierter Musik keinen der Zuhörer, die das Trio mit kräftigem, herzlichem Applaus verabschiedeten.