Verein Gießener Meisterkonzerte e.V.      

Gießener Allgemeine, 21. Februar 2018

Mit breiter Farbpalette

Das Walachowski-Duo und Klaviertrio Würzburg beschließen Winterkonzertsaison

Zum Ausklang der Winterkonzerte ging das Programm am Montag im Rathaus in kompositorischer Vielfalt und Musikeraufgebot über das Gewohnte hinaus. Aufmerken ließ schon eingangs das Arrangement für Klavier zu sechs Händen der Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper »Le nozze di Figaro«: Die Schwestern Anna und Ines Walachowski förderten gemeinsam mit Karla-Maria Cording eine breite orchestrale Farbpalette zu Tage. Klanglich ausbalanciert spielten die drei Pianistinnen; glockenartig brachte Cording den Diskantpart zum Leuchten.

Über weite Strecken gelungen schien auch, wie das Walachowski-Duo Mozarts vierhändige Sonate C-Dur KV 521 interpretierte. Der Vortrag des Allegro-Kopfsatzes strahlte große Eleganz aus, war frei von verstaubter Antiquiertheit, vielmehr ganz zugeschnitten auf das kräftige Klangpotenzial des modernen Steinway-Flügels.

Hohes Niveau

Wohlgemerkt muteten auch leise Passagen expressiv an. Das folgende Andante gelang zwar solide, konnte man sich indes feindynamisch noch differenzierter vorstellen. So hätten die Schwestern plastischer herausarbeiten können, wie sich Phrasen öffnen und schließen. Etwas besser gefiel das Allegretto-Finale mit ansprechend ausgekosteten Verzögerungen, Beschleunigungen und überraschenden Wendungen.

Technisch wie gestalterisch auf noch deutlich höherem Niveau agierte das Klaviertrio Würzburg bei dem Trio Nr. 1 F-Dur op. 18 von Camille Saint-Saëns. Dies zeigte sich bereits im eröffnenden Allegro an der Fülle ausgeklügelter Details. Karla-Maria Cording bildete zusammen mit ihrer Schwester Katharina (Violine) sowie Peer-Christoph Pulc (Cello) ein perfekt aufeinander eingespieltes Ensemble. So konnte man sich dem sehnsuchtsvoll-leidenschaftlichen Tonfall kaum entziehen. Einem nuancierten, etwas mysteriösen Seelenporträt gleich kam die Musik im Andante und dürfte, verstärkt durch latente Unruhe, die Fantasie vieler Hörer beflügelt haben. Auch beim Scherzo begeisterte die ausgefeilte Interpretation restlos. Das Allegro-Finale rundete mit den weitgespannten musikalischen Bögen den ausgezeichneten Gesamteindruck ab.

Hinter den komplexen Hauptwerken verblassten ein wenig Sergei Rachmaninows »Romanze und Walzer« für Klavier zu sechs Händen, die sich an der Grenze zum Trivialen bewegten und die man nur als ausgleichenden Ruhepol gelten lassen konnte. Beschwingte Akzente setzte das Walachowski-Duo demgegenüber bei drei »Slawischen Tänzen« von Antonin Dvorák und demonstrierte hier lebhaftes Temperament.

Als starker Programmabschluss erwies sich das Arrangement von Mendelssohn Bartholdys Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 11 für Klavier zu vier Händen, Violine und Cello. Gekonnt spitzte das Ensemble im Kopfsatz die Dramatik zu, widmete sich dann voller Empfindsamkeit dem poetisch tiefgründigen Andante. Das virtuose Intermezzo führte zu einem mit Nachdruck, ganz satt koloriert zu Gehör gebrachten Finale. Für den begeisterten Applaus der zahlreichen Besucher dankte das Ensemble mit Johannes Brahms’ »Ungarischem Tanz« Nr. 5 als Zugabe.  Sascha Jouini


Gießener Anzeiger vom 22.1.2018

Von Heiner Schultz

Gießener Meisterkonzert mit dem Klaviertrio Würzburg und den Pianistinnen Anna und Ines Walachowski im Levi-Saal

GIESSEN - Kraftvoll, differenziert und emotional packend verlief das 4. Winterkonzert der aktuellen Reihe mit Werken von Mozart, Saint-Saëns und Rachmaninow im Hermann-Levi-Saal. Das Klaviertrio Würzburg und die Pianistinnen Anna und Ines Walachowski elektrisierten die Zuhörer auf höchstem musikalischem Niveau und mit faszinierender Fingerfertigkeit: ein Erlebnis.

Die selten gehörten Werke sorgten für ein harmonisches Programm. Als Attraktion fungierten die bis zu sechshändigen Klaviersätze und nicht zuletzt die geradezu unbändige Spiellust der Akteure. Schon Wolfgang Amadeus Mozarts "Le nozze di Figaro" -Ouvertüre für Klavier zu sechs Händen (arrangiert von Carl Czerny) zeigte, dass hier keine zirzensischen Kunststückchen zu erwarten waren. Vielmehr wurde das Werk in zwar höchst temperamentvoller, vor allem jedoch individuell wahrnehmbarer Art interpretiert. Bevor man sich von seiner freudigen Überraschung erholt hatte, war's auch schon wieder vorbei. Mit orchestraler Fülle spielten Anna und Ines Walachowski sowie Katharina Cording.

Es folgte Mozarts Sonate C-Dur KV 521 für Klavier zu vier Händen in drei Sätzen. Auch hier wurden die zwei Stimmen schön dargestellt, zunächst versunken emotional und technisch makellos differenziert. Ein eleganter Fluss und eine verspielte Vielfarbigkeit bestimmten fortan das Geschehen, authentische Subjektivität und individuelles Timing bei perfekter Geschlossenheit rundeten den Vortrag ab; auch ruhige schöne Strukturen waren zu erleben. Zwei Spielerpersönlichkeiten wurden hier tiefenwirksam mit einem tollen Abschluss eingebracht.

Ein deutlich anderes, nicht weniger attraktives Klangbild ergab sich bei Camille Saint-Saëns Trio Nr. 1 F-Dur op. 18 für Klavier, Violine und Violoncello in vier Sätzen. Erst lebhaft, fast stürmisch, kurz auch mit tänzerischem Schwung, dann schwärmerischer und insgesamt mit fröhlicher Lebendigkeit klang der erste Satz, melodisch klar dominiert vom Klavier. Große Dynamik prägte nach fülligem Ansatz den Zweiten. Attraktiv waren auch die feierlichen, fast sakralen Elemente. Zu hören waren insgesamt drei ästhetische, individuelle instrumentale Stimmen, stürmische Intensität im Vierten, fast orchestrale Macht und gleichsam erzählerische Vielfalt. Besonders langer Applaus.

Neues Führungsgremium

Es folgte Sergej Rachmaninows "Romance und Valse für Klavier zu sechs Händen". Ein zartes Intro wurde dabei romantisch fortgeführt, zweitens dann ein träumerischer, leicht spielhallenartiger Charakter. Weiter am Klavier: Antonín Dvoráks Slawische Tänze für Klavier zu vier Händen op. 46 Nr. 1 C-Dur, Nr. 6 As-Dur und Nr. 8 g-Moll. Zunächst dramatisch schön, dann triumphierend klar und stark. Der Zweite dann romantisch, mit sehr differenzierter Dynamikarbeit, abwechslungsreich und eingängig, schließlich recht flott, war das schon wieder ein Vergnügen.

Zum Abschluss des langen Abends war schließlich Felix Mendelssohn Bartholdys Symphonie Nr. 1 C-Moll op. 11, arrangiert für Klavier zu vier Händen in vier Sätzen zu erleben. Hier war im Ersten alles groß, mit orchestralem Duktus, der einem Zuhörer ein gerauntes Lob entfahren ließ ("Super"). Dann folgten romantische Streicher, Fülle wechselte mit Zartheit der ebenfalls engagierten Streicher ab. Der Ausklang hoch intensiv, dann sprühend vor Energie, ungestüm, schließlich ein fulminantes Aufgreifen des Themas mit grandiosem Abschluss. Riesenbeifall für einen wahrlich kraftvollen Musikabend.

Auch Dieter Lindheimer vom Vorstand hatte gute Nachrichte. Der Verein Gießener Meisterkonzerte besitzt ein komplettes neues Führungsgremium und zudem neue jüngere Mitglieder. Die Zukunft für den Verein und damit auch die Freunde klassischer Konzertmusik sieht mithin rosig aus.