Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

1. Winterkonzert

Donnerstag, 4. Dezember 2014, 20.00 Uhr

Ensemble Neobarock

Volker Möller - Violine & Viola
Maren Ries - Violine & Viola
Ariane Spiegel - Violoncello
Arend Grosfeld - Cembalo

Der aus Jena stammende und heute in Köln lebende Geiger Volker Möller zeichnet sich durch eine auf Barock-violinen selten zu hörende überaus sonore Tongebung aus, mit der er selbst große Konzerthallen klanglich mühelos zu füllen vermag.
Bereits mit 5 Jahren erlernte er das Violinspiel. Nach dem Besuch der Dresdner Spezialschule für Musik studierte er von 1987 bis 1992 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin moderne Violine. Sein zunächst scheinbar vorgezeichneter Lebensweg sollte ihn eigentlich in ein Sinfonieorchester führen. Eine LP der Musica Antiqua Köln jedoch, für ihn ein Schlüsselerlebnis auf dem Gebiet der Barockmusik, sowie der Fall der Mauer, den er als Student in Berlin hautnah miterlebte, eröffneten ihm – schon damals an eher unkonventionellen Ideen interessiert – ganz neue Perspektiven: Es folgten autodidaktische Studien zur Alten Musik, der Besuch von Meisterkursen und ein Barockviolinstudium in Frankfurt/Main. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählen Reinhard Goebel, Thomas Pietsch und Edith Picht-Axenfeld.
Schon während der Ausbildung konzertierte er mit dem Freiburger Barockorchester, der Akademie für Alte Musik Berlin und anderen namhaften Ensembles für Alte Musik. 1995 wurde Volker Möller in jene Formation aufgenommen, deren Platte ihn einst so beeindruckte. Die intensive Konzert- und Aufnahmetätigkeit mit Musica Antiqua Köln und die Zusammenarbeit mit Reinhard Goebel während der folgenden sieben Jahre führten ihn als Geiger und Bratschist der Solistenformation des Ensembles rund um den ganzen Globus und verliehen ihm eine außergewöhnliche Virtuosität und tiefe musikalische Ausdruckskraft.
Auf der Suche nach einem Podium für die Weiterentwicklung und Umsetzung eigener und für die Alte Musik vielfach neuartiger Interpretationsansätze gründete Volker Möller zusammen mit der Geigerin Maren Ries im Jahr 2003 mit NeoBarock eine Kammermusikgruppe, die in der Generation nach Musica Antiqua Köln weltweit zu einer der besten Formationen gehört.

Die in Hamburg geborene Geigerin Maren Ries spielte bereits als Schülerin auf Violinen verschiedener Musikepochen. Durch dieses früh geprägte Verständnis für die Besonderheiten der unterschied-lichen Musikstile und deren adäquates Instrumentarium interessierte sie sich während ihres Studiums in Leipzig und Stuttgart weniger für das klassisch-romantische Mainstream-Repertoire son-dern vielmehr für die Musik des 17. und 18. sowie, angeregt durch ihren Professor Kolja Lessing, für Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Der Besuch von Meisterkursen unter anderem bei Hans-Heinz Schneeberger, Petra Müllejans oder Monica Huggett und ein Aufbaustudium für Barockvioline in der Solistenklasse der Musikhochschule Würzburg bei Gottfried von der Goltz rundeten ihre Ausbildung ab.
Noch während ihres Studiums wurde Maren Ries Mitglied von Musica Antiqua Köln unter Reinhard Goebel. Mit diesem Ensemble konzertierte sie in den folgenden sieben Jahren weltweit als Geigerin und Bratschistin in der Orchester- und Kammermusikbesetzung sowie als Solistin.
Mit der dort gesammelten internationalen Konzerterfahrung, vielen unbezahlbaren Anregungen, aber auch in dem Bestreben eigene innovative Ideen auf höchstem künstlerischen und technischen Niveau zu realisieren, gründete sie zusammen mit dem Geiger Volker Möller im Jahr 2003 NeoBarock.
Mit wissenschaftlich fundierten Interpretationen sowie einem leidenschaftlichen, brillanten und atemberaubenden Zusammenspiel erwarb sich NeoBarock innerhalb kürzester Zeit den Ruf als international anerkanntes Spitzenensemble der neuen Generation und hat sich als feste Größe im Konzertleben etabliert.
Die Arbeit mit diesem Ensemble, mit dem sie in den wichtigsten Konzerthäusern Europas und auf bedeutenden Festivals konzertiert, bildet den Kernpunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit. Maren Ries’ großer, warmer und dunkler Ton lässt sich nicht zuletzt auf die intensive Beschäftigung mit der Viola zurückführen. Heute lebt sie in Köln.

Die Cellistin Ariane Spiegel wurde in Oranienburg bei Berlin geboren. Sie erhielt zunächst Klavierunterricht, widmete sich dann aber zunehmend dem Violoncello. Ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock bei Peter Langer und Professor Gert von Bülow folgte. Dort kam Ariane Spiegel auch erstmalig mit der historischen Aufführungspraxis in Berührung.
Fasziniert von der Möglichkeit, die barocke Kammermusik durch ein facettenreiches Continuospiel ganz entscheidend prägen zu können, nahm sie an zahlreichen Meisterkursen für historische Aufführungspraxis und Barockvioloncello unter anderem bei Anner Bylsma und Gerhart Darmstadt teil und schloss Ihre Ausbildung mit einem Barockvioloncello-Studium an der Hochschule der Künste in Berlin bei Phoebe Carrai mit dem Konzertexamen ab.

2000 und 2001 war Ariane Spiegel Solocellistin bei Musica Antiqua Köln unter der Leitung von Reinhard Goebel. Neben CD-, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen führten sie Konzerte mit diesem Ensemble durch ganz Europa, nach Amerika und Asien. Im Sommer 2002 wurde sie Preisträgerin beim Internationalen Solowettbewerb für Alte Musik in Brugge (Belgien).

Im Jahr 2003 gründete sie zusammen mit ehemaligen Kollegen von Musica Antiqua Köln die in kürzester Zeit zu den besten ihrer Art zählende Kammermusikformation NeoBarock. Die Konzerttätigkeit als Solocellistin von NeoBarock bildet derzeit den Schwerpunkt ihres Schaffens. Ariane Spiegels Cellospiel zeichnet sich durch die selten zu hörende Kombination eines delikaten und sonoren Continuospiels verbunden mit überragenden solistischen Qualitäten aus.

Der junge niederländische Cembalist Arend Grosfeld betrachtet das Continuospiel nicht lediglich als Auffüllung der Harmonien, sondern beeindruckt mit einem phantasievollen und stilistisch differenzierten Generalbassspiel, mit dem er das Cembalo zu einem gleichberechtigten musikalischen Partner und tragenden Fundament im Klangbild von NeoBarock werden lässt. Unter den Händen dieses feinfühligen Kammermusikers, der ebenso souverän solistische Partien übernimmt, entfaltet das in seiner Tonerzeugung eigentlich undynamische Cembalo eine gestalterische Kraft und singende Qualität, die ihresgleichen suchen. Arend Grosfeld hat sich unter zahlreichen Bewerbern als der lang gesuchte Wunschpartner von NeoBarock durchgesetzt und ist seit 2013 als Solo- und Continuocembalist festes Mitglied des Ensembles.
Sein Studium absolvierte er am Königlichen Konservatorium in Den Haag und an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er sich bei Jörg-Andreas Bötticher, Andrea Marcon und Jesper Christensen auf das Generalbassspiel spezialisierte. Er studierte und arbeitete mit Barockmusik-Spezialisten wie Sigiswald Kuijken, Peter Kooij und Philip Pickett und nahm an Meisterklassen bei Skip Sempé, Pierre Hantaï und Gustav Leonhardt teil.
Arend Grosfeld spielt den Nachbau eines doppelmanualigen Blanchet-Cembalos von Bruce Kennedy, einem der weltweit besten Cembalobauer. Dieses Instrument steht NeoBarock seit 2013 durch das großzügige Engagement eines privaten Mäzens zur Verfügung. Mit fünf vollständigen Oktaven (FF–f’’’) verfügt das Instrument über einen Tonumfang, der es NeoBarock ermöglicht, sogar die frühen Werke Mozarts und Beethovens in der von den Komponisten intendierten Originalbesetzung mit Cembalo anstelle eines modernen Flügels zu spielen – eine Herausforderung, der sich auch nach bald einem halben Jahrhundert historischer Aufführungspraxis bisher kein Ensemble außer NeoBarock gestellt hat.