Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Der Gießener Anzeiger schreibt...

Trio Lusingando begeistert bei erstem Basilika-Konzert

09.05.2011 - GIESSEN

Abwechslungsreicher Mozart-Abend im Gießener Rathaus

GIESSEN (sue). Ein Konzertprogramm, das sich ausschließlich mit Mozart beschäftigt und dann auch noch von drei gleichen Instrumenten gespielt wird, verspricht im ersten Moment keinen besonders spannenden und abwechslungsreichen Konzertabend. Dass man mit drei Bassetthörnern und kreativen Einfällen jedoch durchaus das Publikum begeistern kann, zeigte das Trio Lusingando am Samstagabend beim 1. Basilika-Konzert im Kulturrathaus.

Warum Mozart das im Vergleich zur Klarinette nach unten erweiterte und um eine Quarte tiefer gestimmte Bassetthorn gerne in seinen Kompositionen einsetzte und als Duo oder Trio sogar mehrere Stücke widmete, wurde am Samstag sehr schnell deutlich: Die Klangvielfalt des lange Zeit fast vergessenen Instruments reicht von sanften, schwebenden Tönen bis hin zu ausgesprochen energischen Signalklängen, die Rauheit in der Tiefe und die Klarheit in der Höhe bestechen und geben dem Bassetthorn einen warmen und häufig sehnsuchtsvollen Tonfall. Fünf Divertimenti schuf der Komponist für das Blasinstrument, von denen das Trio Lusingando zwei vollständig zu Gehör brachte. Allan Ware, Barbara Rößler und Martin Kratzsch eröffneten das Programm mit dem zweiten Divertimento und nahmen mit einer gelungenen Interpretation der ersten beiden fröhlichen Sätze die Zuhörer sofort für sich ein. Der ansprechende Gesamtklang der Instrumente wurde im Larghetto zu einem schmachtenden Sehnen, das rhythmische Unisono des Rondos verwandelte sich in ein Frage-Antwort-Spiel. In einen vielseitigen Dialog traten die Instrumente von Rößler und Ware in der Polonaise aus den „Kegelduetten“. Mit drei Sätzen aus den „18 Terzetten für 3 Bassetthörner“ des Klarinettisten und Komponisten Anton Stadler für den auch Mozart einige Werke verfasst hatte, gab das Trio eine aus einfachen Melodielinien zusammengestellte „Wirtshausmusik“ (Kratzsch) zum Besten und wählte auch mit Beethovens Variationen über „La ci darem la mano“ („Reich mir die Hand mein Leben“) aus der Oper Don Giovanni den direkten Mozart-Bezug.

Doch obwohl die Programmauswahl nichts anderes als eine Huldigung an den großen Komponisten darstellte, wurde sie nicht zu einem verklärten Blick auf eine idealisierte Künstlerpersönlichkeit. Durch die Rezitation zahlreicher Briefe und Texte von und über Mozart wurde der Blick viel mehr auf den „echten“ Mozart, einen Künstler mit manchmal recht derbem Humor, gelenkt.

Dass dabei auch die Legende des Salieri-Mordes nicht fehlen durfte, war nur allzu klar. In der Rolle (und mit Perücke und Wams) des häufig als Mozart-Konkurrenten verstandenen Salieri rezitierte Kratzsch gekonnt den Dialog des Komponisten mit Gott aus Peter Shaffers „Amadeus“ und brachte (nun wieder in normaler Kleidung) auch das imaginierte Zusammentreffen des „Steppenwolfes“ (Hesse) mit Mozart auf die Konzertbühne.


Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt...

Unbeschwert leichtes Hörvergnügen

Das Trio Lusingando machte beim Auftakt der diesjährigen Basilikakonzerte mit dem Bassetthorn vertraut

Der veranstaltende Verein Gießener Meisterkonzerte bewies wie gewohnt eine sichere Hand bei der Auswahl der Musiker und sorgte für einen gelungenen Auftakt der diesjährigen Basilika-Konzerte. Wegen der Sanierung der Kirche auf dem Schiffenberg findet die Reihe erneut im Rathaus statt. Das Eröffungsprogramm mit dem Trio Lusingando machte mit dem Bassetthorn vertraut, einem vom Klangcharakter recht speziellen, zur Klarinettenfamilie gehörenden Instrument.
Allenfalls die leichte Schärfe im Klangbild könnte für manche Besucher ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen sein, ansonsten sprachen die Darbietungen unmittelbar an.

Wie schwierig die Tongebung auf dem wandlungsfähigen Bassetthorn zu bewerkstelligen ist, verdeutlichten auch Zitate von Zeitgenossen Mozarts, die Allan Ware, Barbara Rößler-Schöwing und Martin Kratzsch vortrugen. Darüber hinaus lasen sie einen Brief des 13-jährigen Wolfgang Amadeus an seine Mutter, der von kindlicher Ehrfurcht zeugt, und einen weiteren Brief des Anfang zwanzigjährigen Meisters an seine Cousine, in dem er sich bei den witzigenWortspielen von seiner frechen Seite zeigt. Ein Text von Schopenhauer »Über Wesen und Eigenschaften des Genies«, der Monolog Antonio Salieris
aus Peter Shaffers Drama »Amadeus« sowie eine imaginäre, an Mozart erinnernde Passage aus Hermann Hesses Roman »Der Steppenwolf« rundeten das Programm ab.
Die Mischung aus Texten und Musikbeiträgen erwies sich als recht kurzweilig. Dies lag vor allem an der unterhaltsamen Art zweier Divertimenti KV 439b von Mozart, die im Mittelpunkt standen. In Nr. 2 spielte das Ensemble den Allegro-Kopfsatz mit lebhaftem Temperament, das Menuett mit kantabler und weicher Intonation, fein aufeinander abgestimmt. Das Larghetto geriet recht nuanciert in Dynamik und Timbre und mit weitläufigen melodischen Bögen. Durchweg flüssig-virtuos kam das Rondo-Finale daher. Aus dem Divertimento Nr. 3 blieb besonders das Adagio im Gedächtnis haften, bei dem das Ensemble ein bewusst ruhiges, Beschaulichkeit verströmendes Tempo wählte und viel Sensibilität demonstrierte. Im Ganzen gefiel die elegante, nie unterkühlt-glatte, vielmehr geistig wache, im Ausdruck vielschichtige Musizierweise.

Von unbeschwert-leichter Art war ein Stück aus den Mozartschen »Kegelduetten«, ebensolches lockeres Hörvergnügen bereiteten dank der ausgefeilten Interpretation die Variationen des Wiener Klassikers über Salieris Opernarie »Mio caro Adone«. Auch bei Ludwig van Beethovens Variationen über »La ci darem la mano« überzeugte das Trio mit seinem detaillierten, das Thema facettenreich beleuchtendenVortrag. Für den freundlichen Beifall dankte es mit dem Polonaisen Finale aus Mozarts fünftem Divertimento als Zugabe.

jou