Verein
Gießener
Meisterkonzerte
e.V.

Kritik der Gießener Allgmeinen Zeitung

Die Gießener Allgemeine schreibt...

Artikel vom 27.10.2010 - 20.00 Uhr

Asasello-Quartett zeigt kompromisslose Sorgfalt

Nach dem starken Saisonauftakt mit dem Saxofontrio Sax Allemande führte das Asasello-Quartett die Winterkonzert-Reihe im Rathaus auf gleichermaßen hohem Niveau fort.

 

Dem veranstaltenden Verein Gießener Meisterkonzerte gebührt Anerkennung dafür, dass er zwei überragende Ensembles in Folge gewinnen konnte. Rostislav Kojevnikov (1. Violine), Barbara Kuster (2. Violine), Justyna Sliwa (Viola) und Wolfgang Zamastil (Cello) boten in kompromissloser Sorgfalt Kompositionen von der Wiener Klassik über die Romantik bis zur Moderne.

Die anspringende Vehemenz im Allegro-Finale des G-Dur-Quartetts KV 387 von Wolfgang Amadeus Mozart überraschte sehr, passte aber vorzüglich zu der Musik und wirkte nie überzogen; selbst bei den dichtesten Passagen artikulierte das Ensemble prägnant, voller Spontaneität. In den kühnen Kontrasten schien der Satz weit in die Zukunft zu weisen.

Unkonventionell waren bereits im eröffnenden Allegro vivace die dynamischen Gegensätze auf engem Raum; das Ensemble brachte sie dank fein ausgeloteter Tongebung plastisch zur Geltung, verlor indes bei der formalen Konzeption nie den weiten Bogen aus dem Blick. Überdies gefielen die klare Tongebung und die präzise Stimmführung. Das an sich schlichte Menuett erhielt besonderen Pfiff durch noch dichtere Dynamikwechsel von Ton zu Ton, die das Ensemble konturiert hervorscheinen ließ. Voller Spannung steckte die im klangmächtigen Fortissimo gespielte aufsteigende Unisono-Linie. Im Andante cantabile zeigte sich die melodische Eleganz überaus facettenreich, so feinsinnig brachten es die Musiker zu Gehör; vor allem die im Ausdruck verhaltenen Passagen berührten. Bei den Steigerungen blühte das Klangbild in ganzer Pracht.

György Kurtágs »Zwölf Mikroludien« op. 13 erinnerten ein wenig an den Namen des Quartetts: Asasello ist ein Todesdämon im Roman »Der Meister und Margarita« des russischen Autors Michail Bulgakow. So mutete der ruhige Beginn ziemlich gespenstisch an; es folgte ein energischer Teil. Skurrilität strahlten die Glissandi aus, während die fahlen Flageolettklänge ein triste Stimmung heraufbeschworen. Abgründige Dimensionen taten sich auf, wenn impulsive Pizzicati atonale Klänge unterbrachen oder wuchtige Akkorde geballte Akzente setzten. Die detailfreudige Interpretation fesselte stark.

Das intensive Erlebnis setzte sich nach der Pause in Robert Schumanns A-Dur-Quartett op. 41 Nr. 3 fort. Genauer austariert ließ sich im Kopfsatz die Balance zwischen Melodie- und Begleitstimmen kaum vorstellen. Das Klangbild zeichnete sich durch ein Höchstmaß an Farbigkeit aus; die Musiker demonstrierten sicheres Gespür für die komplexe Harmonik. Unaufhaltsam schien der musikalische Fluss im Hauptteil des mannigfaltigen Scherzos. Im weiteren Verlauf führte eine ruhigere Passage in schwelgerische Sphären. Dem schwermütigen Ausdruck des Adagios konnte man sich in der leidenschaftlichen Darbietung des Ensembles nicht entziehen; die elegischen Melodiephrasen entfalteten ungeheure Sogkraft. Das mit lebhaftem Temperament rhythmisch scharf punktiert gemeisterte Finale bildete mit seinem jugendlich-unbeschwerten Schwung einen glanzvollen Schluss. Dem begeisterten Applaus der Zuhörer folgte eine Zugabe.
Sascha Jouini

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szmtag

Der Gießener Anzeiger schreibt...

 

Mit frenetischem Beifall mehrmals auf Bühne geholt

Asasello-Quartett besticht bei Meisterkonzerten mit vollendeter Spielweise

Von Susanne Engelbach

 Giessen. Mit einem exzellenten Streichquartett gingen die Winterkonzerte des Vereins Gießener Meisterkonzert am Dienstagabend in die zweite Runde. Im Konzertsaal des Rathauses holte das begeisterte Publikum das Asasello-Quartett bereits zur Pause mit frenetischem Applaus mehrfach zurück auf die Bühne.

Ob sich das Quartett nach der dämonischen Figur des Asasello aus dem modernen Roman „Der Meister und Margarita“ des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow benannte, blieb an diesem Abend ungeklärt. Möglich ist es, denn der erst 29j-ährige Primarius des Quartetts, Rostislav Kojevnikov, ist in Russland geboren.

Umgang mit Moderne

Völlig klar wurde hingegen die eindeutig nicht dämonische, sondern von vollendetem Zusammenklang geprägte Spielweise des international besetzten Quartetts. Nicht nur Kojevnikov, sondern auch seine MitstreiterInnen Barbara Kuster aus der Schweiz (2. Violine), Justyna Sliwa aus Polen (Viola) und Wolfgang Zamastil aus Österreich (Violoncello) haben das 35._Lebensjahr noch lange nicht erreicht. Auch äußerlich eher unkonventionell und jugendlich, zählen sie bereits jetzt zu einem der renommiertesten Streichquartette – und dafür gibt es allen Grund. So ist der bei vielen Streichquartetten eher erzwungen wirkende Umgang mit Neuer Musik für sie eine Selbstverständlichkeit, und das zeigt sich deutlich im Klangbild.

Kurtág mit Leichtigkeit

Mit ausgesprochener Leichtigkeit spielten sie die zwölf Mikroludien von György Kurtág, erzeugten aus sanften Tonreibungen und mit reibungsintensiver Bogenführung schwebende Flächenklänge und ließen mit Flagolett-Tönen und Glissandi zwölf verschiedene Klangmomente entstehen. Jedes einzelne Mikroludium schwebte dabei zwischen völliger Einfachheit und hoher Komplexität und wurde durch den reichen Ausdruck des Quartetts zu einer eigenen Geschichte, geprägt von einem ganz eigenen Gefühlsausdruck voll Intensität und Ausdruckskraft.

Fliegender Wechsel

Diesem Klangerlebnis ging ein völlig andersartiges, jedoch nicht weniger mitreißendes Werk voraus: Mozarts Streichquartett G-Dur KV 387. Auch hierbei war die Spielweise des Ensembles geprägt von filigraner Leichtigkeit, gekonnter Dynamik und expressiver Lebendigkeit. Im fliegenden Wechsel zwischen einfachen, energischen und reich verzierten Motiven im ersten Satz eröffneten die Musiker dem Publikum eine Interpretation, wie sie gelungener kaum sein könnte: Die Schwerelosigkeit der Töne paarte sich mit einem umfassenden Spektrum an emotionaler Ausdruckskraft, die sich stets fern hielt von übertriebener Romantisierung. Im Menuett-Satz steigerten die Instrumentalisten den Klang eindrucksvoll von einem eher schwerfälligen Tanzrhythmus hin zu den häufigen Dynamikwechseln im zweiten Teil. Polyphonie in ihrer schönsten Form erklang im Finalsatz im perfekten Zusammenspiel mit hochvirtuosen Einzelleistungen und vollendeter klanglicher Abstimmung.

Prachtvolles Klangbild

Sehr viel deutlicher als bei Mozarts Quartett konnte Kojevnikov seine herausragenden solistische Leistungen bei Schumanns Streichquartett A-Dur op.41,3 zeigten. Der Klang seiner Violine hob sich gekonnt von einem polyphonen Klangteppich ab und bildete gemeinsam mit den übrigen Streichern ein schillernder und farbenfrohes Klangbild. Im homophone und rhythmisch prägnante Schlussrondo hingegen schien die Violine den übrigen Instrumenten stets durch ihr scheinbares Davoneilen anspornen zu wollen und führte so in ein außerordentlich prachtvolles Finale.