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Echo der Presse

Gießener Allgemeine vom

Mit künstlerischem Format

Gießen - Das Guadagnini Trio begeistert beim Winterkonzert.

Die Winterkonzerte im Levi-Saal profitieren von der sachkundigen Auswahl der Musiker durch den Meisterkonzertverein. So hatten die Vorstandsmitglieder Dr. Dieter und Karin Lindheimer das Guadagnini Trio vergangenes Jahr in Darmstadt entdeckt. Das Ensemble sorgte am Sonntag für einen fast voll besetzten Saal und erntete viel Beifall.

Ausnahmslos beliebte Klaviertrios standen auf dem Programm, durch die profilierte Interpretationsweise gerieten diese zum Vergnügen. Dazu bei trug das ausgewogene Klangbild der von Alina Armonas-Tambrea gespielten Violine der namensgebenden italienischen Geigenbauerfamilie Guadagnini aus dem 18. Jahrhundert. Auch Cellist Edvardas Armonas und Pianist Yannik Van de Velde gefielen durch ausgefeilte Tongebung. Das zeigte sich schon zu Beginn beim Klavierthema des „Allegro moderato“-Kopfsatzes von Joseph Haydns „Trio“ E-Dur Hob. XV:28, das von Streicher-Pizzicati koloriert wurde. Dann nahm die Musik Fahrt auf und die Streicher agierten gleichberechtigt. Das kristallene, fein artikulierte Spiel begeisterte restlos.

Besonderes Gespür zeigte das mit dem ersten Preis beim internationalen Kammermusikwettbewerb „Helexpo“ in Thessaloniki ausgezeichnete Ensemble für den unbekümmerten Humor. Umso überraschender schien, wie das „Allegretto“ mit einem Mal in tiefernste Sphären führte. Das „Allegro“-Finale schlug mit seiner lebensbejahenden Note den Bogen zum ersten Satz zurück. Erneut glückte die Darbietung im Detail stimmig, durchweg plastisch und tonstärkemäßig wohldosiert.

Voller Fantasie versetzte das Ensemble die Hörer bei Claude Debussys „Trio“ G-Dur in impressionistische Dimensionen. Am meisten bezauberte die kantable Intonation der beiden Streicher. So verströmte der Vortrag sinnlichen Charme, strotzte vor Schattierungen. Exotisch angehaucht waren Melodik und Harmonik beim Scherzo. Kaum zu glauben, dass Debussy erst 18 Jahre alt war, als er dieses ausgereifte Werk komponiert hat. Durch César Franck und Robert Schumann inspiriert, fand er hier bereits zu seinem unverwechselbaren Stil, so auch beim beschaulich-ruhigen „Andante espressivo“, dem ein leidenschaftlichen Elan vermittelndes Finale folgte.

Etwas anders verhielt es sich zu guter Letzt beim „Trio“ H-Dur op. 8. Dieses schrieb Johannes Brahms zwar auch bereits mit 21 Jahren, unterzog es jedoch 35 Jahre später einer grundlegenden Revision, so trägt es Merkmale des Spätstils. Pianist Yannik Van de Velde vermied es im „Allegro con brio“ zunächst dick aufzutragen, wartete damit vielmehr bis zu dramatischen Spitzen. So mutete die Interpretation eher dezent und doch ausdrucksvoll an. Hinzu kam jene Transparenz, die insgesamt an diesem Abend faszinierte. Zu jedem Moment war zu spüren, wie intensiv das Ensemble die Musik zu beleuchten vermochte, dabei ohne Effekthascherei auskam. Künstlerisches Format hatte etwa das konzentrierte Wechselspiel zwischen Klavier und Streichern im schwermütigen „Adagio“. Das Schluss-Allegro gipfelte in schicksalhaft-ernsten Höhepunkten und festigte den ausgezeichneten Eindruck. Für den Beifall dankte das Guadagnini Trio mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Lied ohne Worte“ op. 19 Nr. 1 als Zugabe.
Sascha Jouini

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