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Echo der Presse

Gießener Anzeiger vom

Das Ensemble begeistert zum Jubiläum mit interpretatorischem Spitzenniveau

Das Oberon Trio feiert sein 20-jähriges Bestehen im Levi-Saal. Die Musiker präsentieren ein anspruchsvolles Programm auf Metropolen-Niveau.

Gießen – Zum Ausklang der Winterkonzertsaison im Levi-Saal war dem Oberon Trio anzumerken, wie gern es in Gießen spielt. Das Ensemble war hier schon mehrmals aufgetreten und hatte nun zu seinem 20-jährigen Bestehen ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, in dem es, umrahmt von romantischen Werken, moderne Stücke aus dem 21. Jahrhundert präsentierte.

Den Auftakt bildete Franz Schuberts vermutlich 1828 komponiertes Klaviertrio B-Dur op. 99. Dessen Entstehungsgeschichte ist nicht überliefert, das lässt Raum für Spekulationen. Darüber etwa, weshalb Schubert hier, im Gegensatz zu anderen Spätwerken, einen derart optimistischen Ton anschlägt. Ein plausibles Motiv lieferte Pianist Jonathan Aner in seiner Einführung gleich selbst: Womöglich wollte der Komponist pessimistische und zuversichtliche Werke „in Balance bringen“.

Gemeinsam mit Violinistin Henja Semmler und Cellistin Antoaneta Emanuilova verlieh Aner dem Hauptthema im eröffnenden „Allegro moderato“ unerschütterliche Kraft. Davon hob sich das zunächst von den Streichern intonierte Seitenthema durch seinen lyrischen Charakter ab. Elegant gelangen die Überleitungen, überhaupt bestach die weite Bögen schlagende formale Konzeption. Die Interpretation begeisterte in vielerlei Hinsicht – von der anmutigen Tongebung über die nuancierte harmonische Zeichnung bis hin zur fein ausgeloteten Agogik.

Im langsamen zweiten Satz verströmte die Cellomelodie tiefe Sehnsucht, im Verlauf streichelte der friedvolle Zwiegesang der beiden Streicher die Seele. Beim folgenden „Scherzo“ unterstrich das Ensemble die rhythmische Komplexität. Die Künstler spielten dabei so virtuos-locker, als bereitete es ihnen nicht die geringste Mühe. Besonders auffallend war die schlanke Tongebung, so setzte das Oberon Trio die gestalterischen Mittel ökonomisch ein und hob sich den geballten Forte-Klang für die Höhepunkte auf. Der ausgefeilte Vortrag führte bis hin zum „Rondo“-Finale zu immer neuen Schattierungen.

Einen besonderen Bezug hat das Ensemble zu Felix Mendelssohn Bartholdys Trio d-Moll op. 49: Durch dieses Werk, das die Künstler schon in ihrer Jugendzeit gespielt hatten, haben sich die drei 2006 kennengelernt. Auch hier war etwa am punktgenauen Timing ihre Vertrautheit herauszuhören. Der „Molto allegro agitato“-Kopfsatz geriet nicht nur so mitreißend wie leidenschaftlich, überdies verwischte selbst in dicht strukturierten Passagen nichts. Diese frappierende Transparenz wahrte das Ensemble bis hin zum spannungsgeladenen Finale. Voran ging ein „Scherzo“, das mit seiner leicht dahinhuschenden Bewegung eine elfenhafte Sphäre zauberte. An Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik „Ein Sommernachtstraum“ zu Shakespeares Komödie erinnernd, hat das Ensemble dieser verwandlungsreichen Klangwelt rund um den Elfenkönig seinen Namen zu verdanken.

Inspiriert durch Drama „Macbeth“

Auf die Komödie geht auch das 2015 komponierte Auftragswerk „That Crazed Smile“ der Britin Charlotte Bray (Jahrgang 1982) zurück. Auf leicht zugängliche Weise suggerierte das Stück träumerische Mondlichtstimmung. Als fordernder erwies sich Brays durch Shakespeares Tragödie „Macbeth“ inspirierte Komposition „Those Secret Eyes“ (2014). Die stilistisch kühne Musik gipfelte in schroffen Momenten und wurde von dem Ensemble kontrastreich zu Gehör gebracht.
Im Ganzen bot das Konzert interpretatorisches Spitzenniveau, das man sonst eher in Metropolen erwarten würde. Das Publikum lauschte dem Oberon Trio bis zum Schluss gebannt und erklatschte sich ein „Lied ohne Worte“ (3. Satz aus op. 11) von Fanny Hensel als Zugabe.

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