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Echo der Presse

Gießener Allgemeine vom

Reizvolle Konfrontation mit lettischen Komponistinnen

Gießen - Zum Auftakt der Winterkonzerte brachten die lettischen Musikerinnen Laura Zarina (Violine) und Agnese Eglina (Klavier) dem zahlreichen Publikum im Rathaus Komponistinnen ihrer Heimat nahe. Es war wohl eines der ausgefallensten Programme der letzten 20 Jahre, seit die Reihe ehrenamtlich vom Meisterkonzertverein organisiert wird. Der Vorrang künstlerischer Aspekte vor finanziellen Erwägungen macht solch bereichernde Konfrontation mit zeitgenössischen Werken überhaupt erst möglich.

Dieser Wagemut wurde belohnt.

Zarina und Eglina stellten der an die Romantik anknüpfenden Komponistin Lucija Garuta (1902 bis 1977) moderne Musik gegenüber, darunter Uraufführungen dreier Auftragswerke. Das Konzert am Ewigkeitssonntag war verstorbenen und leidenden Menschen gewidmet. Garutas Stück »Geschichte« verbreitete eingangs märchenhafte Atmosphäre. Dabei griff das Klavier die träumerische Violinmelodie immer wieder auf. Garuta schrieb unter anderem die Oper »Der Silbervogel« und war auch pianistisch aktiv, wurde vom Sowjetregime politisch unterdrückt. Sie übernahm für das lettische Volk eine identitätsstiftende Rolle.

Kombination mit Neuer Musik

Das Publikum zeigte sich aufgeschlossen für die Kombination mit Neuer Musik. Dazu zählte das Stück »eine andere Stimme« von Sabine Kezbere. Die Pianistin erweiterte hier durch Manipulation der Saiten im Flügelinneren das Klangspektrum. Damit korrespondierten Pizzicati und Liegetöne der Violine. Es kontrastierten ruhige und expressive Passagen und schien sich in Flageoletts die im zugrundeliegenden Gedicht Jana Egles anklingende zwischenmenschliche Labilität widerzuspiegeln.

Im Programm fanden sich auch Stücke für Violine solo wie »Target« von Anna Veismane. Hier wirkte grotesk, wie sich vom schwirrend-leichten, mit Tremoli und Glissandi gespickten Beginn bleiern-schwere Abschnitte abhoben.

Die »Fantasie in Variationen«, ein weiteres Solostück von Dace Aperane, ist durch ein Prosagedicht des slowenischen Dichters Aleš Debeljak inspiriert. Die darin thematisierte Fluchtsituation manifestierte sich in der Kälte und Erstarrung herüberbringenden Musik. Inmitten der Trostlosigkeit tauchten Lichtblicke auf.

Wieder auf andere Art faszinierte das Duo »Linien. Schnittpunkte« von Ruta Paidere, die Gestaltungsprinzipien der mit Draht arbeitenden deutsch-venezolanischen Künstlerin Gertrud Louise Goldschmidt aufgreift. Da berührten sich in punktuellen Elementen die musikalischen Fäden.

Hervorzuheben sind zwei philosophisch inspirierte Auftragswerke: »Zwischen dem See und dem Meer« von Selga Mence vermittelte in den Dialogen essenzielle Gegenpole, von denen wir im Leben zehren und wie sie Olafs Gutmanis in der Gedichtvorlage beleuchtet. Auf Verse von Zenta Maurina geht Renate Stivrinas Duo »die Wellen kommen und die Wellen gehen...« zurück. Die zuversichtlich stimmende Komposition vergegenwärtigte den unaufhörlichen Fluss der Zeit und regte an, besondere Momente zu schätzen.

Wie harmonisch die Werkzusammenstellung geriet, zeigte sich auch in Garutas Stücken »Gebet« und »An die Kindheit«. Darin zogen die musikalischen Gedanken wie Erinnerungen vorbei. Für das starke Konzert wurde das Duo mit viel Beifall bedacht. Sascha Jouini

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